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Salzburger Nachrichten
30.09.2006
Chronik
Streit um Besetzung von AK-Chefposten
Gewerkschafter soll Abteilungsleiter werden - Protest nach
Sitzung
Salzburg (SN). In der Salzburger Arbeiterkammer (AK) gehen die
Wogen hoch. Der Grund: AK-Direktor Gerhard Schmidt schlägt
Transportgewerkschafter Alfred Hirschbichler (FSG) als neuen Chef
der Wirtschaftspolitischen Abteilung vor. Der Vorschlag wurde am
Freitag bei einer AK-Fraktionsbesprechung präsentiert. Die Kür
soll am 4. Oktober im Vorstand erfolgen.
Robert Müllner, Grüner Gewerkschafter im AK-Vorstand, spricht
von einem "mehrfachen Affront". Die Entscheidung sei fachlich
nicht begründbar und stoße viele Mitarbeiter in der Kammer vor den
Kopf. Noch etwas stört Müllner: "Die Personalentscheidung ist
parteipolitisch motiviert und bewusst auf einen Termin nach den
Nationalratswahlen verschoben worden."
"Hirschbichler ist ein hervorragender Gewerkschafter", sagt
Müllner. Für den Leiterposten gebe es aber besser qualifizierte
Interessenten. Beworben haben sich neben Hirschbichler die
AK-Mitarbeiter Wilfried Bischofer, Edgar Atzmanstorfer und Robert
Priewasser. Atzmanstorfer und Priewasser arbeiten in der
Abteilung, Bischofer war bereits einmal Abteilungsleiter. Alle
drei sind Akademiker.
AK-Präsident Siegfried Pichler wollte sich zu dem umstrittenen
Vorschlag nicht näher äußern. "Ich werde meine Argumente im
Vorstand vorbringen."
© SN. |
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Stadt Blatt
Salzburg / Eltern setzten sich durch
SALK- Betriebskindergarten kommt in historische Gemäuer
SALZBURG (cog). Erfreut zeigten sich die betroffenen Eltern über
die unverhoffte Wende in der Diskussion über den neuen Standort
des Betriebskindergartens des St.Johanns-Spitals vergangene
Woche: Die von der Geschäftsführung vorgeschlagenen Varianten,
wie zum Beispiel die Einquartierung des Kindergartens im
RotKreuz-SchülerInnenheim oder in der Zaunergasse, waren auf
große Ablehnung gestoßen.
Alle Hebel in Bewegung gesetzt
Ein
auf Anregung der SALK - Geschäftsführung gegründeter Elternbeirat
setzte alle Hebel in Bewegung, um eine bessere Lösung zu finden.
Gemeinsam mit der Politik konnte schließlich eine Einigung erzielt
werden: Der neue .Kindergarten soll im denkmalgeschützten Aiglhof,
in dem derzeit Büros sind, untergebracht werden. Aus Platzgründern
muss dafür jedoch ein Anbau errichtet werden.
Umwidmung nicht notwendig
Knackpunkt ist die Erweiterung des bestehenden Gebäudes, die zum
Teil auf deklariertem Grünland errichtet werden muss. Nach
unzähligen Gesprächen mit den ressortzuständigen Politikern und
Planungsexperten sowie einer gemeinsamen Begehung war klar, dass
eine Umwidmung des rund 300 Quadratmeter großen betroffenen
Grünlandfleckens nicht nötig sei, da öffentliches Interesse
vorliege. Der Kindergarten soll im kommenden Herbst in Betrieb
gehen.
"Es hat sich gelohnt, zu kämpfen"
Die
Mühen haben sich gelohnt, sind sich die Mitglieder des
Elternbeirats im Nachhinein einig: "Wir sind froh, was wir
erreicht haben." Auch wenn es kein Spaziergang gewesen sei und die
Emotionen manchmal hochgekocht waren.
Ebenso erfreut über die für alle Seiten zufrieden stellende Lösung
zeigt sich die Geschäftsführung des St.- Johanns - Spitals. "Uns
ist jede Lösung im Sinne der Eltern recht, die zeitgerecht
realisiert werden kann", meint Mick Weinberger, Sprecherin der
Salzburger Landeskliniken. Jetzt müssen nur noch die
Baugenehmigungen abgewartet werden., Weinberger ist optimistisch:
"Dem sehen wir aber positiv entgegen, denn immerhin sind sich alle
politischen Parteien in der Standortfrage einig." |
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Ö1
Morgenjournal
08.08.2006
Experte:
Pflegenotstand spätestens 2011
In Österreich gibt es zu viele Pflegebedürftige und zu wenige,
die sie pflegen. Die Lücke wird durch illegale Pflegerinnen aus
dem Ausland geschlossen - seit Tagen eines der Hauptthemen der
Innenpolitik. Experten warnen jetzt, dass diese Lücke noch viel
größer werden könnte, und zwar spätestens 2011. Denn dann enden
die Übergangsbestimmungen am Arbeitsmarkt für die Menschen aus den
neuen EU-Ländern in Osteuropa. Die EU-Erweiterung macht sich schon
jetzt bemerkbar: Die Qualität der Arbeit der Pflegerinnen aus
Osteuropa sinkt, sagt der Wiener Soziologe Tom Schmid von der
Sozialökonomischen Forschungsstelle in Wien.
EU-weite Konkurrenz
Der Grund ist, dass immer mehr Länder in Westeuropa die gut
ausgebildeten Pflegerinnen aus Tschechien oder der Slowakei haben
wollen. In Großbritannien, Schweden und Irland dürfen sie bereits
jetzt legal arbeiten. Andere Länder ziehen jetzt nach: Spanien,
Portugal und Finnland haben die Übergangsbestimmungen zur Gänze
abgeschafft, Frankreich, Belgien und Luxemburg zum Teil. Die
Folge: Der Wettbewerb um die gut ausgebildeten Pflegekräfte
wächst. Eine logische Entwicklung, sagt Tom Schmid: Die am besten
ausgebildeten Pflegerinnen arbeiten natürlich lieber legal in
diesen Ländern als illegal - also ohne Sozialversicherung, ohne
Pensionsversicherung usw. in Österreich.
Ende der billigen Illegalen
Das zweite Problem ist, dass die Pflegerinnen spätestens 2011 auch
bei uns legal arbeiten dürfen, denn dann enden die
Übergangsbestimmungen für den Arbeitsmarkt. Und das bedeutet, dass
die Pflegerinnen, die jetzt billig illegal arbeiten, dann einen
normalen Job annehmen - und auch normal bezahlt werden müssen.
Politik muss vorsorgen
Die illegalen Pflegerinnen ersparen der öffentlichen Hand pro Jahr
etwa 300 bis 350 Millionen Euro pro Jahr. Der Wiener Soziologe Tom
Schmid von der Sozialökonomischen Forschungsstelle in Wien warnt,
dass die Politik schon jetzt dafür sorgen muss, dieses Geld
aufzutreiben. Sonst können sich spätestens 2011 bis zu 20.000
Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen diese Pflege nicht mehr
leisten.
Alternde Gesellschaft
Die demografische Entwicklung verschärft die Lage. Die Zahl der
Alten steigt, die Zahl der Pfleger wächst nicht rasch genug mit.
Das ist für den Soziologen und Altersforscher Anton Amann von der
Universität Wien das Hauptproblem in der aktuellen Pflegedebatte |
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APA
06.08.2006
Grüne gegen Lohndumping im Pflegebereich
Der Vorschlag von Wirtschaftsminister Bartenstein, mittels
Sonderregelung innerhalb der Quote für Schlüsselarbeitskräfte
ausländische Pfleger im privaten Bereich ab einem Monatseinkommen
von 1.200 Euro zu legalisieren, wird von den Grünen abgelehnt. Der
grüne Sozialsprecher Öllinger sprach am Sonntag von Lohndumping,
windigen Ausnahmeregelungen und Entwertung von Pflegeberufen.
Öllinger: "Die Leistung dieser Menschen wird benötigt und ist
gefragt. Die katastrophale Regierungspolitik verhindert, dass die
Pflegeleistungen rechtlich einwandfrei und sozialrechtlich
abgesichert erbracht werden. Die Menschen sind hier und arbeiten,
aber der Staat verzichtet auf Steuern wie auch auf Sozialabgaben."
SPÖ-Behindertensprecherin Christine Lapp erklärte, es müsse
rasch etwas unternommen werden, um den Pflegenotstand zu
entschärfen. So müsse endlich das Pflegegeld valorisiert und
Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige durch
flankierende Maßnahmen geschaffen werden. Man müsse
unbürokratische Unterstützungsangebote schaffen, Urlaubsbetreuung
und Kurzzeitpflege anbieten, Tageszentren ausbauen und die mobilen
Dienste besser verknüpfen, so Lapp.
© APA |
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Salzburger Nachrichten
05.08.2006
Innenpolitik
Interview
Die Politik ignoriere die Pflegemisere, sagt Günther Leiner vom
Hilfswerk
THOMAS HÖDLMOSER Gegen das massive Auftreten von ausländischen
Billigpflegekräften in Österreich wehren sich vor allem die
etablierten Sozialen Dienste. Die SN sprachen darüber mit Günther
Leiner, dem Präsidenten des Salzburger Hilfswerks.
Ohne ausländische Billiganbieter könnten sich viele die Pflege
ihrer Angehörigen nicht leisten. Warum wehren Sie sich so gegen
Pflegerinnen aus Osteuropa ? Leiner: Weil damit bei uns Patienten
und damit Arbeitsplätze verloren gehen und es arbeitsrechtlich
nicht in Ordnung ist. Ich habe darüber auch mit der tschechischen
Gesundheitsministerin gesprochen. Die sagt: "Von uns werden die
Pflegekräfte abgezogen und wir müssen schlecht ausgebildete Kräfte
aus der Ukraine holen." Für mich ist das modernes Sklaventum.
Trotzdem wird das bestehende Schwarzarbeitssystem toleriert.
Leiner: Die Politik ist untätig. Ich halte es nicht aus, dass alle
Politiker die Augen zumachen, dieses halblegale System tolerieren
und auch noch fördern.
Wie meinen Sie das? Leiner: Diese Anbieter werden teilweise
über Beamte propagiert.
Gibt es überhaupt einen Ausweg aus dem Dilemma? Leiner: Ja.
Durch das Einrichten von Tagesheimstätten für schwere Pflegefälle.
Die könnte man an bestehende Altersheime angliedern.
Viele wollen aber nicht ins Heim. Leiner: Die Patienten würden
dort nur tagsüber oder halbtags untergebracht, oder nur an zwei,
drei Tagen pro Woche.
© SN. |
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Salzburger Nachrichten
06.07.2006 Chronik
Mutter musste 268 €; zahlen: Künftig weniger Strafen für Schwarzfahren
Inkassobüro
schickte hohe Zahlungsforderung, weil Tochter keine Fahrkarte
hatte - Gasteiger: "Strafsätze werden gesenkt"
Salzburg (SN-höd).
268 Euro: Diese Strafe musste Ilse Ortner aus Hallein bezahlen,
weil ihre Tochter im Obus ohne Fahrschein gefahren war.
Der Fahrschein vom
Bahnhof zum Kiesel-Gebäude hätte 1,80 gekostet. Weil die Tochter
keine Fahrkarte hatte, sollte sie 75 Euro Strafe per Erlagschein
zahlen. Weil das nicht gleich bezahlt wurde, kam eine Mahnung in
Höhe von 113 Euro.
Ilse Ortner erfuhr
von der Forderung erst, als kurz darauf das Inkassobüro eine
Zahlungsaufforderung von 268 Euro schickte. Diese Strafe stehe in
keinem Verhältnis zur nicht bezahlten Fahrkarte, kritisiert die
Mutter. "Wenn man so eine Rechnung bekommt, fällt man aus allen
Wolken." Zudem seien das Mahnschreiben und das Schreiben des
Inkassobüros an die Tochter gegangen. "In diesem Fall sollten die
Eltern verständigt werden."
Üblicherweise
gingen diese Rechnungen auch an die Eltern, heißt es dazu beim
Stadtbus. Trotzdem: Die Kritik an den hohen Strafen (60 Euro in
bar, 75 Euro per Erlagschein) und die vergleichsweise hohen
Mahnspesen in Höhe von 37 Euro kritisiert auch die Salzburger
Arbeiterkammer. Dort haben sich die Beschwerden massiv gehäuft.
Die Strafen und Mahnspesen seien zu hoch, die Kontrollore im Obus
seien oft zu restriktiv, sagt AK-Verkehrsexperte Christian
Laireiter.
Im
Verkehrsausschuss der Arbeiterkammer wurde ein Antrag der grünen
Gewerkschafter (AUGE) auf Senkung der Strafen, Mahngebühren und
Spesen angenommen. "Die derzeitige Kontrollpraxis ist eine
Kundenvertreibungsaktion", kritisiert Grün-Gewerkschafter Robert
Müllner.
Die Salzburg AG
reagiert jetzt auf die Kritik. Vorstandssprecher Arno Gasteiger
kündigte am Mittwoch im Gespräch mit den SN eine Senkung der
Strafsätze an. Demnach sollen "in absehbarer Zeit" die Strafen von
60 auf 50 Euro (Barzahlung) bzw. von 75 auf 55 Euro (Erlagschein)
gesenkt werden. Die Mahngebühr wird von 37 auf 10 Euro gesenkt.
"Ich denke, dass an der kritischen Haltung der Arbeiterkammer
einiges begründet ist", sagte Gasteiger. An den Kontrollen durch
den Österreichischen Wachdienst (ÖWD) hält Gasteiger trotzdem
fest. "Man muss kontrollieren. Durch die ÖWD-Kontrollen wurde auch
die Zahlungsmoral besser."
© SN. |
derStandard.at/PolitikKommentar der
anderen: Unaufgeklärter Absolutismus
FSG führt vor, wie optimale Stimmenminimierung bei
demokratischen Wahlen aussieht - Ein Kommentar der anderen
von Michael Amon
Vor der Wahl sei der falsche Zeitpunkt für eine solche
Auseinandersetzung, heißt es. Nach der Wahl ginge aber wohl erst
recht nichts. Nachdem uns der ÖGB demonstriert hat, wie man ein
großes Vermögen unbemerkt auf null reduzieren kann, setzt nun die
FSG dazu an, auch noch vorzuführen, wie eine optimale
Stimmenminimierung bei demokratischen Wahlen aussieht.
Die einzige taktische Meisterleistung, die der FSG-Führung in
den letzten Jahrzehnten gelungen ist, besteht darin, den kleinen
Betriebsräten (laut Postgewerkschafter Fritz ohnedies ohne
Überblick) einzureden, dass sie gemeint sind, wenn seitens der SPÖ
keine Spitzenfunktionäre mehr ins Parlament entsandt werden
sollen. Es ist der FSG- Führung gelungen, die kleinen Funktionäre
und die mitbestimmungsfreien Mitglieder in Geiselhaft zu nehmen.
Auch die Aktion zeichensetzen.at kam bisher nur auf knapp 6000
Unterschriften. Beides verwundert nicht: Die Mitglieder wurden
über Jahrzehnte systematisch von jeder Mitbestimmung fern
gehalten.
So gut wie jeder Skandal, den die SPÖ auszubaden hatte, kam aus
den Reihen der FSG: Sekanina, Braun, Konsum, Rechberger & Co.,
Bawag. Dazu kommt, dass die FSG seit Jahrzehnten alle wichtigen
gesellschaftlichen Entwicklungen verschlafen oder gar bekämpft
hat. Man denke nur an die Umweltbewegung oder daran, dass die FSG
fast geschlossen gegen jenen Bruno Kreisky als Parteiführer war,
der vier Jahre später die SPÖ erstmals zur Kanzlerpartei machte.
Als jemand, der selbst viele Jahre als
Betriebsrats-Vorsitzender eines Mittelbetriebes in der GPA tätig
war, weiß man um das geringe Erneuerungspotenzial der
Gewerkschaftsführung. Ein ÖGB- Chef, der nicht einmal nach der
Höhe der angelaufenen Verluste der eigenen Bank fragt; ein
Präsidium, das alles ohne Nachfrage abnickt; ein Stellvertreter,
der Unterschriften leistet, ohne zu wissen, was er unterschreibt;
ein Vorstand (rund 80 Mitglieder!), der lieber keine Details
wissen will. Das sind die Leute, die es ins Parlament drängt. Man
nenne nur ein einziges Unternehmen auf der Welt, in dem es möglich
wäre, dass Leute, die das gesamte Betriebsvermögen verspielt
haben, selbst die Reorganisation des Unternehmens durchführen
dürfen.
Akt der Notwehr
Es ist Notwehr, wenn Gusenbauer in dieser Situation die
Reißleine zieht.
Wer hätte denn garantiert, dass Kollege Hundstorfer wirklich
freiwillig auf ein Mandat verzichtet? Vor der Wahl ist der falsche
Zeitpunkt, für eine solche Auseinandersetzung? Nach der Wahl ginge
erst recht nichts.
Gusenbauer hat das einzige, winzig kleine Zeitfenster genutzt,
um endlich umzusetzen, was Politologen, Leitartikler und diverse
sonstige Politikbeobachter in Österreich seit vielen Jahren
fordern: Entflechtung der Spitzenfunktionen. Damit hat er sich –
auch wenn das momentan niemand zugibt – unschätzbare Verdienste
erworben. Zukünftige SP-Vorsitzende werden es ihm zu danken
wissen.
In der Zwischenzeit sollten die einfachen
Gewerkschaftsmitglieder und Betriebsräte darüber nachdenken, wofür
sie sich die Hacken ablaufen wollen: für die Abwahl einer
unsäglichen Bundesregierung oder für die Privilegien einer ebenso
unsäglichen FSG-Führung. Denn katharsisresistent wie diese Führung
ist, wird die ÖGB-Reform nur eines bringen: ein paar Retuschen in
einem weiterhin dem unaufgeklärten Absolutismus frönenden ÖGB.
Schon 1985 schrieb ich im profil: "Anstatt den Mitgliedern mehr
direkte Rechte einzuräumen, werden großartige
Mitgliederbefragungen gestartet, deren Ergebnisse postwendend in
irgendwelchen Schubladen verschwinden, da eine Umsetzung der
Ergebnisse die eigenen Machtpositionen gefährden würde. Es ist zu
fragen, ob dieser Hort selbstgefällig in sich ruhender Stabili 4.
Spalte tät nicht irgendwann zu einem Unruheherd erster Ordnung
wird." Dem ist weiterhin nichts hinzuzufügen.
Zur Person: Michael
Amon hat als Ex-Betriebsrat ausreichend Gewerkschaftserfahrung. Er
erhielt den Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische
Buch 2005. Im September erscheint sein neuer Roman "Sonnenfinster"
bei Molden.
(DER STANDARD, Printausgabe,
5.7.2006) |
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Salzburger Nachrichten
23.06.2006 Chronik
"Da muss ich durch"
Alternativ-Gewerkschafter
hofft auf Reform
Karin Zauner Interview
Robert Müllner ist Betriebsratsvorsitzender bei der
Beschlägefirma Maco in der Stadt Salzburg und Alternativ-Grüner
Gewerkschafter.
Es vergeht kein Tag, an dem nicht neue Ungeheuerlichkeiten
in der Causa BAWAG/Gewerkschaftsbund auftauchen. Wie treten Ihnen
die Mitarbeiter im Betrieb entgegen?
Müllner: Es nützt mir gar nichts, dass ich als Alternativer
Gewerkschafter immer etwas anderes vertreten habe und ich bei
diesen Sauereien nicht dabei war. Die Reaktionen reichen von
Spötteleien bis zu bösen Fragen, wie viel ich denn abkassiert
hätte. Da muss ich durch.
Haben Sie in den vergangenen Monaten überlegt, das Handtuch
zu werfen?
Müllner: Nein. Das klingt jetzt vielleicht komisch -
aber, wenn solche wie ich auch aufhören, dann wäre das schlecht.
Für mich gibt es keine Alternative zur Gewerkschaft. Ich finde es
nur schlimm, dass durch das Fehlverhalten einiger dem
Gewerkschaftsbund die Legitimation entzogen wird.
Was sagen Sie Ihren zornigen Kollegen im Betrieb?
Müllner : Ich rede mir den Mund fusselig. Aber die Krise bietet
auch eine Chance. Endlich wird in den Betrieben wieder richtig
miteinander gesprochen, und die Menschen denken darüber nach,
wofür die Gewerkschaft gebraucht wird. Denken Sie an die Fragen
der Arbeitszeitflexibilisierung und des Kündigungsschutzes. Im
Übrigen sind bei uns in der Firma nur fünf Mitarbeiter von etwa
350 Mitgliedern aus der Gewerkschaft ausgetreten.
Was muss geschehen, damit die Gewerkschaft wieder aus der
Krise kommt?
Müllner: Eine Reform mit einem einheitlichen
überparteilichen Gewerkschaftsbund muss umgesetzt werden. Es wäre
fatal, die Einzelgewerkschaften zu stärken. Es waren ja auch
gerade die Einzelinteressen, die Reformen bisher verhindert haben.
Ich wünsche mir eine neue Führung mit einer Frau und einem Mann an
der Spitze, der nicht Hundstorfer (aktueller ÖGB-Chef, Anm.)
heißt. Denn er gehört auch zu den Altlasten. Es muss zudem eine
Trennung von Spitzenfunktionen in der Partei und in der
Gewerkschaft geben. Doch im Moment geht es im ÖGB nicht um den
Wiederaufbau der Wertegemeinschaft, sondern um reine
Schadensbegrenzung.
© SN. |
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SALZBURGER
FENSTER
17.Mai 2006
ÖGB-neu: nun auch Einbinden der
parteiunabhängigen Betriebsräte
"Die Mehrheit der Betriebsräte ist in den ÖGB
nicht eingebunden“, ließ Grün-Gewerkschafter Robert
Müllner bei der AK-Vollversammlung am Donnerstag
vergangener Woche aufhorchen, als es, aus aktuellem Anlass, um die
ÖGB-Reform-Diskussion ging. „Mehr als fünfzig Prozent der
Betriebsräte deklarieren sich nicht – bei den Betriebsratswahlen
kandidieren sie als ,parteiunabhängig‘ (PU), von den
Entscheidungsprozessen sind sie aber so gut wie ausgeschlossen“,
schildert Müllner aus der Betriebsrätepraxis. (Seit 2002 ist der
Grün-Gewerkschafter bei Maco-Beschläge Vorsitzender des
Angestellten-Betriebsrats, zuvor war er 12 Jahre
Arbeiterbetriebsrat bei der in den 90er-Jahren geschlossenen
Porsche Produktions- und Handelsgesellschaft, Arbeiterkammerrat
ist er mittlerweile auch schon seit 12 Jahren.) „Im ÖGB kommt man
nur weiter, wenn man von den Fraktionen nominiert wird“, erläutert
Müllner dazu – als Fraktionen im ÖGB anerkannt sind die FSG, die
FCG, die Freiheitlichen Gewerkschafter, die Grün-Alternativen
Gewerkschafter und der Gewerkschaftliche Linksblock. In den
Gremien seien die PU-Betriebsräte schon nicht mehr vertreten,
einzige Ausnahme sei die GPA, die zumindest immer wieder einmal
jemanden der PU-Betriebsräte nominiere. „Der ÖGB-neu muss sich
Gedanken machen, alle Betriebsräte einzubeziehen“, regt Müllner zu
dem als möglichst breit angekündigten Reform-Dialog an. Er
verspreche sich davon, dass die Mehrheitsverhältnisse dann „anders
aussehen als jetzt die fraktionellen Mehrheiten“.
http://www.salzburger-fenster.at/rubrik/fensterputzer/1706/oegb-neu-nun-auch-einbinden-der_3068.html
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Gespräch
mit der Betriebsrätin und Gewerkschafterin Jutta Tischler
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Talk Together:
Was ist die
Aufgabe einer Betriebsrätin?
Jutta Tischler: Die
Aufgabe einer
Betriebsrätin ist, die MitarbeiterInnen zu vertreten und zwischen
Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen zu vermitteln, d.h. mit den
Arbeitgebern zu verhandeln, wenn es Probleme gibt. Ich bin
Betriebsrätin im Landeskrankenhaus, das ist ein sehr großer
Betrieb, wir haben fast 4000 MitarbeiterInnen. Bei uns gibt es ein
Betriebratsgremium, das aus 20 Personen besteht. Es gibt auch -
leider - verschiedene Fraktionen und auch eine Mehrheitsfraktion.
Unsere Fraktion, die AUGE, hat zwar bei der letzten
Betriebsratswahl vier Mandate gewonnen, es gelang uns aber nicht,
die Mehrheit zu brechen. Wir tun zwar viel, trotzdem sind wir
nicht eingebunden in die Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und
ArbeitnehmerInnen. Ich bin auch nicht freigestellt, sondern muss
zu 100 % auf meinem Arbeitsplatz arbeiten. Im ganzen Betrieb sind
nur drei Betriebsräte für die Betriebsratsarbeit freigestellt.
Talk Together:
Wie sieht deine Arbeit konkret aus?
Jutta Tischler:
Ich bin als Betriebsrätin ein Sprachrohr für
meine KollegInnen. Sie kommen zu mir und schildern mir ihre Sorgen
und Probleme, ich kann das zwar nicht direkt mit dem
Geschäftsführer besprechen, aber ich kann die Anliegen
weiterleiten und in eine Betriebratssitzung einbringen, ich kann
Anträge stellen. Betriebsratsarbeit heißt auch, die Augen offen zu
halten und zu beobachten, Dinge öffentlich zu machen und zu
versuchen, Verschlechterungen zu verhindern, noch bevor etwas
passiert.
Talk Together:
Vertrittst du nur einheimische oder auch
ausländische ArbeiterInnen?
Jutta Tischler:
Ich vertrete alle, die ein Beschäftigungsverhältnis
mit dem LKH haben. Jeder im Betrieb hat das Recht, zum Betriebsrat
zu gehen, egal ob er Österreicher ist, oder nicht. Das Problem
ist, dass viele Tätigkeiten ausgelagert werden an externe Firmen.
Für diese MitarbeiterInnen bin ich als Betriebsrätin nicht
zuständig. Natürlich habe ich aber auch Kontakte zu
MitarbeiterInnen aus Fremdfirmen wie zu den Portieren. Diesen
ArbeiterInnen kann ich nur insofern helfen, indem ich sie berate
und an andere Stellen verweise, z.B. dass ich sie zur
Arbeiterkammer schicke. Früher habe ich auch noch mehr Kontakte
gehabt zum Reinigungspersonal. Es wird aber immer schwieriger,
dass es überhaupt zu einem Gespräch kommt, weil die Putz firmen so
häufig wechseln. Es wer den nur die Finnen unter Vertrag genommen,
die die Leistungen am billigsten anbieten. Die Menschen werden nur
mehr als Kostenfaktor angesehen. Die ArbeiterInnen sind immer
kürzer da, es gibt kaum noch Berührungspunkte, man kennt sich
heute fast nicht mehr. Ich habe sogar den Eindruck, dass die
ArbeiterInnen unter so großem Stress stehen, dass ein Gespräch gar
nicht mehr möglich ist.
Talk Together:
Wie ist die rechtliche Situation von
MigrantInnen, können sie auch als Betriebsräte gewählt werden?
Jutta Tischler:
Ja, es gibt ein Urteil vom Europäischen
Gerichtshof. Ich bin bei der unabhängigen Gewerkschaft AUGE, die
haben bei der vorletzten Arbeiterkammerwahl in Vorarlberg einen
Nicht-EU-Bürger auf ihrer Liste aufgestellt. Er wurde gewählt,
durfte aber sein Mandat nicht ausüben, weil er türkischer
Staatsbürger ist. Die AUGE hat dann eine Klage eingereicht und ist
alle Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof gegangen. Vier
Jahre später haben sie Recht bekommen und jetzt ist es im Gesetz
verankert, dass allen EU-BürgerInnen und allen BürgerInnen aus
Ländern, mit denen die EU Assoziationsverträge hat, das passive
Wahlrecht nur die AK-Wahl und die Betriebsratswahl zusteht. Aber
es gilt immer noch nicht für alle, es gibt also noch immer
Ungleichheit. Das Problem ist aber immer noch diese Ghettobildung,
dass in vielen Firmen fast ausschließlich MigrantInnen arbeiten,
die oft eine Betriebsratskandidatur nicht bewerkstelligen können,
die müssten in dieser Hinsicht gefördert werden.
Talk Together:
Wie erreicht ihr diese Menschen, wie
informiert ihr sie? Gibt es
Förderprogramme für MigrantInnen von Seiten der Gewerkschaft?
Jutta Tischler:
Es gibt rechtliche Informationen und
Unterstützung bei der Arbeiterkammer, aber ob es speziell etwas
nur MigrantInnen gibt, ist mir nicht bekannt. Ich kann nur sagen,
dass es hier sicher noch einen großen Nachholbedarf gibt. Als
Betriebrätin habe ich dazu kaum eine Möglichkeit, da müsste etwas
in der Arbeiterkammer und in der Gewerkschaft getan werden, leider
wurde viel versäumt. Dieses Urteil des Europäischen Gerichtshofes
müsste viel mehr an die Öffentlichkeit gebracht werden.Wir haben
schon MigrantInnen in unserer Gewerkschaft, die geben das in ihrem
Bereich weiter, aber das ist sicher zu wenig. Durch eine stärkere
Vernetzung mit Vereinen, die mit MigrantInnen zu tun haben, könnte
man mehr Leute erreichen.
Talk Together:
Ausbeuterische Arbeitsbedingen nehmen
immer mehr zu, doch viele Menschen wagen
nicht, ihre Rechte wahrzunehmen aus Angst vor Kündigung. Was kann
die Gewerkschaft dagegen tun?
Jutta Tischler:
Der einzige Weg, sich zu wehren, ist dass
die Menschen sich organisieren und
Betriebsräte gründen. Das wird aber immer mehr von den Finnen
verhindert. Es ist leider heute die Realität, dass es kaum mehr
möglich ist, dort wo es keinen Betriebsrat gibt, einen Betriebsrat
zu gründen. In einem öffentlichen Betrieb kann ein Betriebsrat
nicht verhindert werden, aber bei privaten Firmen kommt es immer
wieder vor, dass MitarbeiterInnen gekündigt wurden, weil sie einen
Betriebsrat gründen wollten. Es wird immer schwieriger, den
Menschen so etwas zu raten, weil sie gleichzeitig einem großen
Risiko aussetzt sind. Sobald du einmal auf einer Betriebsratsliste
stehst, darfst du nicht mehr gekündigt werden, die Gefahr ist aber
vorher, wenn die Firmenleitung etwas von den Vorbereitungen
mitkriegt. Es ist ja kaum möglich, so etwas ganz heimlich zu
organisieren. Natürlich kann niemand gekündigt werden, weil er
sich betriebsrätlich betätigen will, aber die Firmenleitung kann
einfach andere Kündigungsgründe angeben.
Talk Together: Man kann
aber auch mangelndes Engagement und fehlendes Bewusstsein von
Seiten der ArbeitnehmerInnen feststellen. Was sind die Gründe?
Jutta Tischler: Das
Problem ist die Vereinzelung der
Menschen. Die Menschen sind
belastet mit Existenzsorgen, vielleicht haben sie Schulden. Jeder
ist mit den eigenen Problemen so beschäftigt, dass er sich kaum
mehr um die anderen kümmern kann. Die Leute denken aber nicht
daran, wenn sie sich solidarisieren und gemeinsam etwas machen,
dass das auch ihren Kindern helfen würde. Sie denken leider nur
sehr kurzfristig. Hinzu kommt, dass manche Firmen nur mehr
Teilzeitkräfte einstellen.
Talk Together: Wie
siehst du die Rolle der Gewerkschaft?
Jutta Tischler: Hier
muss ich aber auch die Gewerkschaft kritisieren. Obwohl ich selbst
bei der Gewerkschaft bin, bin ich keineswegs mit allem
einverstanden, was dort gemacht wird. Zur gleichen Zeit, wo unsere
Gewerkschaften oft negativ in den Medien sind, stehen in
Frankreich jeden Tag Millionen Menschen auf der Straße, um ein
Recht zu verteidigen, das wir schon lange nicht mehr haben. Sie
stehen auf der Straße, weil der Kündigungsschutz aufgeweicht
werden soll, bei uns gibt es außer bei Beamten keinen
Kündigungsschutz, das muss man sich mal vor Augen halten. Das ist
das Ergebnis einer Jahrzehnte langen Packelei, genannt
Sozialpartnerschaft. Es wurde immer geredet, dass wir stolz sein
sollten, dass es bei uns keine Streiks gibt, doch wer waren die
Leidtragenden? Die Arbeitnehmer. Wir haben im Grunde genommen in
Österreich kein besonders gutes Arbeitsrecht im Vergleich zu
Deutschland oder Frankreich etwa. Dort gibt es zum Teil einen
ausgeweiteten Kündigungsschutz, und das ist meiner Meinung nach
sehr wichtig, denn dieser Schutz ermöglicht den Menschen, sich
eine Existenz aufzubauen.
Talk Together: Ist es
trotzdem zu empfehlen, der Gewerkschaft beizutreten? Was muss man
tun und welche Vorteile hat man?
Jutta Tischler: Wenn
man der Gewerkschaft beitreten will, muss man nur ein Formular
ausfüllen, man wird dann der für die Branche zuständigen
Gewerkschaft zugeteilt. Der Mitgliedsbeitrag ist ein ganz kleiner
Prozentsatz deines Gehalts. Man kann aber auch jederzeit
austreten, denn die Mitgliedschaft ist freiwillig. Die
Arbeiterkammer ist die gesetzliche Vertretung, dort ist man
automatisch Mitglied. Doch die Gehaltsverhandlungen führt die
Gewerkschaft. Selbst wenn es bei der Gewerkschaft viele Missstände
gibt, so ist sie doch für die ArbeitnehmerInnen eine
unverzichtbare Einrichtung. Ich möchte nicht daran denken, wie die
Situation ohne Gewerkschaft aussehen würde, wahrscheinlich wie vor
über 100 Jahren, als die ArbeitnehmerInnen überhaupt keine Rechte
hatten. Man könnte zwar den Eindruck gewinnen, dass einige
Gewerkschafter nur für sich selbst da sind um sich gegenseitig
hoch bezahlte Posten zuzuschieben, ich finde aber, man sollte
trotzdem dabei sein und innerhalb der Gewerkschaft für Reformen
kämpfen.
Talk Together: Man hört
immer häufiger von Mobbing. Was kann man dagegen tun?
Jutta Tischler: Mobbing
passiert oft in Betrieben, wo die Mitarbeiter geschützt sind und
nicht ohne weiteres gekündigt werden können. Wenn nun Mitarbeiter
zu teuer werden, kann man sie nur durch Mobbing loswerden. Mobbing
hat verschiedene Erscheinungsformen, der Druck wird immer größer,
die Arbeitsanforderungen entweder unerfüllbar oder die Menschen
werden an Arbeitsplätze versetzt, wo sie keine qualifizierten
Tätigkeiten ausüben können. Oft werden Gruppen gegeneinander
ausgespielt. Bei Mobbingverdacht sollte man sich unbedingt an den
Betriebsrat wenden.
Talk Together: Die
Meinung, dass MigrantInnen den Einheimischen Arbeitsplätze
wegnehmen, ist weit verbreitet und wird von rechten Politikern
geschürt. Wie ist deiner Meinung die Realität?
Jutta Tischler: Das ist
einfach nicht wahr. Die meisten MigrantInnen machen solche
Arbeiten, die Einheimische gar nicht machen wollen. Dabei handelt
es sich um eine Panikmache von Rechts. In Zeiten, wo die Menschen
verstärkt Angst um ihre Arbeitsplätze haben, sind sie aber für so
eine Hetze empfänglich. Die MigrantInnen sollen zum Sündenbock
abgestempelt werden. Leider ist sogar der ÖGB nicht frei von
solchen Meinungen. Deshalb denke ich, dass unabhängige
Gewerkschaften in dieser Frage eine wichtige Rolle spielen
könnten. Wenn der Kampf um die Wählerstimmen auf dem Rücken der
MigrantInnen ausgetragen wird, wird Fremdenhass geschürt, das ist
eine Gefahr für die ganze Gesellschaft.
Talk Together: Danke
fiir das Gespräch!
Quelle:
TALK
TOGETHER |
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Mai 2006 |
Gastkommentar von Jutta Tischler |
an.schläge |
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an.sage
Generation Praktikum
Die Erwerbsarbeitsuche endet für viele im „Dauerzustand" Praktikum. Von Burgi
Pirolt und Jutta Tischler |
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Generation Praktikum
Von
Jutta Tischler
In einer Zeit, die von der
Globalisierung der Wirtschaft geprägt ist, entsteht extremer Druck auf die in
der Wirtschaft Handelnden. Unternehmen versuchen, diesen Druck primär auf die
MitarbeiterInnen abzuwälzen. Dies trifft einerseits jene Gruppe, die auf Grund
ihres Alters zunehmend "uninteressant" und durch Kündigung oder Frühpension
aus dem Arbeitsprozess gedrängt wird, wobei diese Gruppe zumindest noch eine
gewisse Unterstützung seitens ihrer „Lobby" — sprich: Gewerkschaften und
Arbeiterkammer genießt. Für alle, die jedoch noch nicht in den Arbeitsprozess
eintreten konnten, daher auch noch nicht in die „Lobbystrukturen" integriert
sind, fehlt praktisch jegliche Unterstützung. Es ist daher für die
ArbeitgeberInnen ein Leichtes, diesen Gruppen Bedingungen aufzuerlegen, die
mit Recht das Wort Ausbeutung verdienen. Diese fehlende Verwurzelung in den
Arbeitsprozess wird in vielen Bereichen transparent. Nehmen wir die konkrete
Ausbildungssituation in vielen Krankenhäusern. Jeder Ausbildungsabschnitt, der
nicht der Theorie gewidmet ist, wird mit einer nahezu brutalen
Selbstverständlichkeit häufig dazu genützt, Pflegepersonal einzusparen, indem
man junge Auszubildende voll einsetzt. Es versteht sich fast schon von selbst,
dass für diese volle Arbeitsleistung statt einer entsprechenden Entlohnung
lediglich ein „Taschengeld" bezahlt wird. Man könnte diese Entwicklung zu
einem „Ausbeuten der Jugend" natürlich noch an vielen anderen Beispielen fest
machen.
Was wäre bei Betrachtung dieses
erschreckenden Befundes nun eine Möglichkeit, hier eine Verbesserung oder
zumindest eine Verhinderung weiterer Verschlechterung für die Jugend zu
erreichen? Seitens der genannten Organisationen wie Gewerkschaften und
Arbeiterkammer ist eine Öffnung für diese Gruppen dringend einzuleiten.
Natürlich ist eine institutionelle Initiative nur dann erfolgreich, wenn auch
eine entsprechende Bereitschaft der Jugend zur Solidarisierung erreicht werden
könnte. Dazu gehört, dass die Jugend erkennt, wie wichtig eine soziale
Struktur zur Sicherung und Erreichung von ArbeitnehmerInnenrechten ist. Viele
notwendige Verbesserungen in diesen Strukturen, wie sie Gewerkschaft und
Arbeiterkammer bilden, sind deshalb so „verkrustet", weil leider nicht nur die
noch nicht im Arbeitsprozess befindlichen Jungen nicht integriert sind,
sondern auch bei den jungen ArbeitnehmerInnen ein geringes Interesse dafür
besteht, sich in diese Organisationen einzubringen und Erneuerungen
einzufordern.
Auf Grund dieser Problematik
versuche ich als unabhängige Gewerkschafterin innerhalb der Organisationen, in
denen ich vertreten bin, Anstöße zu einer positiven Veränderung zu geben. Für
konkret Betroffene der Generation Praktikum erscheint mir die Bildung von
Netzwerken sinnvoll, wie dies z.B. in Deutschland mit „Fair work" Erfolg
versprechend versucht wird.
Quelle:
www.anschlaege.at |
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derStandard.at
03. April 2006
ÖGB-Interimschef Rudolf
Hundstorfer will die Bawag zur Gänze verkaufen. Betriebsratschefin
Ingrid Streibel-Zarfl begehrt dagegen auf
Aufbegehren gegen die ÖGB-Spitze
Während der Verkaufsprozess der
Bawag mit der Auswahl von Morgan Stanley als Investmentbank gestartet
wurde, regt sich Widerstand im ÖGB und in der Bank
Wien - Die "kleinen" ÖGB-Funktionäre drängen die ÖGB-Spitze nun dazu,
mehr Mitsprache zuzulassen: Vor allem die Minderheitsfraktionen
beklagen, dass wichtige Entscheidungen an ihnen vorbeilaufen. Alfred
Schöls von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) verlangt im
STANDARD-Gespräch, dass der Minderheit nun Kontrollrechte eingeräumt
werden.
Auch wäre es fair, wenn einem Gewerkschaftsvorsitzenden jeweils ein
Finanzreferent aus einer anderen Fraktion gegenüberstünde - dies werde
bei der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst schon immer so gehalten, sagte
Schöls.
Auch gegen den Beschluss des ÖGB, die Bawag zur Gänze zu verkaufen,
regt sich neuer Widerstand im ÖGB selbst, aber auch in der Bank.
Bawag-Betriebsratschefin Ingrid Streibel-Zarfl fordert, dass der ÖGB
zumindest als Teileigentümer erhalten bleibt, und will eine
Mitarbeiterbeteiligung durchsetzen.
Der Verkaufsprozess wurde indes bereits gestartet. Der ÖGB hat die
Investmentbank Morgan Stanley mit der Käufersuche und Abwicklung
beauftragt. Investmentbanker Wolfgang Flöttl, der von der Bawag für ihre
Karibik-Verluste verantwortlich gemacht wird, soll sich indes in die
Karibik abgesetzt haben.
Mitarbeiterbeteiligungsprozess
Bawag-Betriebsratschefin Ingrid
Streibel-Zarfl fordert vom ÖGB ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell und
will, dass der Gewerkschaftsbund zumindest teilweise der Bank als
Eigentümer erhalten bleibt. Oberstes Ziel, so Streibel-Zarfl, sei der
Erhalt der Arbeitsplätze. Zu welchem Prozentsatz der ÖGB an der Bawag
beteiligt bleiben und wie hoch der Mitarbeiteranteil sein soll,
präzisiert sie nicht. "Das hängt vom Verkaufsprozess ab, da bitte ich um
etwas Zeit." Aber, so Streibel-Zarfl: "Das wird für uns die Nagelprobe,
ob sich der ÖGB weiter zu dieser Bank und ihren tausenden Mitarbeitern
bekennt."
Ein hochrangiger Gewerkschafter sagte
dazu: "Das ist ein verständliches Anliegen, aber der Beschluss ist ein
anderer." Gegen den Beschluss, sich zur Gänze von der Bawag zu trennen,
regt sich jedoch im ÖGB und in der Bawag Widerstand. Und dies, obwohl
der Verkaufsprozess mit der Auswahl der Investmentbank Morgan Stanley
und Gesprächen mit der Wiener Städtischen längst gestartet wurde.
Urabstimmung der
Gewerkschaftsmitglieder
Die Alternativen und Grünen
Gewerkschafterinnen fordern eine "Urabstimmung aller
Gewerkschaftsmitglieder", es solle "endlich Schluss sein mit einsamen
Entscheidungen einer Hand voll sozialdemokratischer Gewerkschafter im
angeblich überparteilichen ÖGB". Aber auch unter den
Belegschaftsvertretern der Bawag nehmen die Diskrepanzen zu. Dienstag
und Mittwoch finden Betriebsratswahlen statt. Die Liste MITgestalten
wirft dem im Aufsichtsrat vertretenen, sozialdemokratisch dominierten
Zentralbetriebsrat vor, dessen "Darstellung, über die Vorgänge der
Karibik-Geschäfte nicht informiert worden zu sein" sei schlicht
"unglaubwürdig". Der Aufsichtsrat habe "in seiner Gesamtheit versagt".
Neuigkeiten gibt es auch von
US-Investmentbanker Wolfgang Flöttl, der von der Bawag für ihre Verluste
in der Karibik verantwortlich gemacht wird: Er soll sich eben dorthin
abgesetzt haben.
Übrigens: Die ÖGB-Garantie für die
Karibik-Verluste der Bawag dürfte nur eine so genannte
Patronatserklärung gewesen sein, sprich: eine nicht einklagbare. Die
Frage, warum die Bilanz 2000 dennoch den Bestätigungsvermerk bekommen
hat, beantwortet ein renommierter Wirtschaftstreuhänder so: "Es ist
üblich, dass man sich in Konzernen mit solchen weichen
Patronatserklärungen weiterhilft."
(Michael Bachner, Renate Graber, DER
STANDARD, Print-Ausgabe, 3.4.2006) |
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13.02.2006
Salzburger Nachrichten
THEMA
MACO
Betriebsrat
und.......
Der
gebürtige Burgenländer und gelernte Schlosser Robert
Müllner (49) arbeitete nach dem Zivildienst 18 Jahre bei
Porsche, davon 10 Jahre als Betriebsratsmitglied. Als
Porsche den Maschinen und Werkzeugbau von Salzburg
nach Tschechien auslagerte, verlor auch er seine Job. 1999
kam er zur Firma Maco.Dort ist er seit dem Vorjahr
Betriebsratsvorsitzender der Angestellten.
...Gipfelgegner
Müllner
ist Fraktionsvorsitzender der Alternativen und Grünen
Gewerkschafter (AUGE) im Arbeiterkammerrat. Er war
Mitorganisator bei vier Gegengipfel-Veranstaltungen zum
Weltwirtschaftsforum (WEF) und ist Mitbegründer des
Arbeiter-Begegnungszentrums. Grün-Gewerkschafter
Robert Müllner:
"Ich kann mit Fundamentalisten nichts anfangen."
Bild:
SN/KOLARIK ANDREAS
aus
GESPROCHEN Grüner
will umwidmen
Robert Müllner ist
beruflich und privat ein Anwalt der Arbeiter. Wenn es um den Erhalt von
Jobs geht, will der Grüne dafür auch Grünland opfern.
THOMAS HÖDLMOSER
Vermitteln und Fäden ziehen
sollen die Stärken von Robert Müllner sein. Das sagen die, die ihn
kennen. So kämpft Müllner im Hintergrund gegen Einsparungen bei der
Obdachlosen-Anlaufstelle "Saftladen" und dafür, dass die
Alternativen Nobelpreisträger immer wieder nach Salzburg kommen.
Derzeit macht der Grün-Gewerkschafter
Lobbying dafür, dass in der Stadt Salzburg geschütztes Grünland
umgewidmet wird, damit die Beschlägefirma Maco den Betrieb erweitern
kann.
SN: Sie setzen sich
als Betriebsrat bei Maco dafür ein, dass 40.000 Quadratmeter geschütztes
Grünland umgewidmet werden. Für einen Grünen ist das eher ungewöhnlich.
Müllner:
Ich war Arbeitnehmer, bevor ich Parteimitglied wurde. Und ich war immer an
der Sachpolitik, nicht an der Parteipolitik interessiert. Zur
Vorgeschichte: Ich wurde in einer Arbeiterfamilie sozialisiert. Dazu kam
die Erfahrung der Mitarbeit in der Katholischen Arbeiterjugend. Das führte
dazu, dass ich mich immer über den Betriebsrat für
Arbeitnehmerinteressen eingesetzt habe.
SN:
Das heißt: Arbeitnehmerinteressen vor Umwelt.
Müllner: Nein. Die
Firma Maco ist vor 50 Jahren gebaut worden. Die Grünlanddeklaration gibt
es erst seit rund 20 Jahren. Was ist die Konsequenz, wenn Maco nicht
erweitern kann? Maco würde am Standort Trieben erweitern. Das hieße für
Salzburg: weniger Arbeitsplätze, weniger Ausbildungsplätze, weniger
Einnahmen für die Stadt. Ich bin kein Politiker, der nur am Schreibtisch
sitzt.
SN:
Trotzdem: Das alles klingt wie eine Absage an die Ideale der Grünbewegung,
eine Verabschiedung von den grünen Wurzeln von Hainburg.
Müllner: Überhaupt
nicht. Die Grünlanddeklaration muss in wesentlichen Punkten erhalten
bleiben. Trotzdem muss man ohne Qualitätsverlust für das Grünland
Grenzen anpassen können, wenn es im öffentlichen Interesse ist. Ich kann
mit Fundamentalisten nichts anfangen. Sie gefährden längerfristig die
Akzeptanz der Grünlanddeklaration.
SN: Sie haben sich in
den vergangenen Monaten dafür eingesetzt, dass der "Saftladen"
weiter für Obdach- und Arbeitslose geöffnet bleibt. Das Thema
Arbeitslosigkeit scheint Sie auch in Ihrer Freizeit zu beschäftigen.
Müllner: Ich weiß,
was es heißt, keine Arbeit zu haben und auf der Straße zu stehen. Ich
war selbst ein Jahr arbeitslos. Man
braucht ein Auffangbecken für die Leute, die von unserer Gesellschaft
rausgeschmissen werden. Wenn es den "Saftladen" nicht mehr gibt,
treibt man diese Leute in die Kriminalität.
SN:
Sie setzen sich seit Jahren dafür ein, die Träger des Alternativen
Nobelpreises an Salzburg zu binden. Warum?
Müllner: Die
Alternativen Nobelpreisträger haben bewiesen, dass es eine andere
Wirtschaftspolitik gibt, in der es möglich ist, dass Menschenrechte
eingehalten werden und man zugleich die Umwelt schützt.
SN:
Als Sie damit begannen, Gegengipfel zu den WEF-Treffen in Salzburg zu
organisieren, galten Sie als Linker. Später zählte der Wirtschaftsbund
zu Ihren Mitstreitern. Ist Robert Müllner nun links oder rechts?
Müllner: Ich habe
weder Berührungsängste zu Unternehmern noch zu anderen Parteien. Ich
halte auch die Fraktionen, die es im ÖGB gibt, für falsch. Man nimmt
dort immer Rücksicht auf die Partei.
© SN
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01.02.2006
Salzburger Nachrichten
Bangen um Zuschuss
Bislang bezahlte das Land Kranken
eine Haushaltshilfe. Jetzt soll der Zuschuss für viele gestrichen werden.
Es hagelt Kritik.
THOMAS HÖDLMOSERSalzburg (SN). Herr
B. aus Salzburg ist psychisch krank. Zwei mal pro Woche kommen
Betreuerinnen, die sich um den Haushalt des 50-Jährigen kümmern. Weil er
Mindestrentner ist, muss er dafür nur 39 Euro bezahlen.
Nach dem Entwurf für die neue
Soziale-Dienste-Verordnung des Landes würde ein Patient in dieser
Situation künftig 409 Euro bezahlen müssen - um 370 Euro mehr.
Der Vorschlag der Sozialabteilung,
die bisher ausbezahlten Zuschüsse nur mehr an Patienten zu bezahlen, die
auch Pflegegeld beziehen, stößt auf heftige Kritik. Etwa ein Viertel der
Patienten wäre von der Kürzung betroffen. Viele könnten sich dann die
Hilfe nicht mehr leisten, heißt es bei den Sozialen Diensten Salzburg.
"Die Folge würde sein, dass
noch mehr Patienten auf den Schwarzmarkt ausweichen", sagt Gabi
Wenghofer von den Alternativen und Grünen Gewerkschaftern (AUGE).
"Wir halten das für eine Katastrophe", betont Norbert Krammer
von der Sachwalterschaft Salzburg. Die Maßnahme würde auch alle Menschen
ausschließen, die erst dabei seien, Pflegegeld zu beantragen. "Die
Erfahrung zeigt, dass das Monate dauern kann."
Auch die Salzburger Arbeiterkammer
kritisiert die geplante Streichung des Zuschusses in einer Stellungnahme
an das Land. "Wir hoffen, dass die Politik noch einlenkt", sagt
August Lubey, der Obmann der Sozialen Dienste.
Sozialreferent Erwin Buchinger (SPÖ)
kündigte am Dienstag an, dass er den Entwurf noch einmal "überdenken"
werde. Durch die kritischen Stellungnahmen sei erst bekannt geworden,
welche gravierenden Auswirkungen die Streichung haben würde, sagt
Buchinger. "Die Umsetzung dieses Punktes wäre tatsächlich eine
soziale Härte."
Ein weiterer Kritikpunkt am
Verordnungsentwurf ist, dass das Land die Mehrkosten für die im neuen
Kollektivvertrag vorgesehenen Gehälter der Betreuer nur teilweise übernimmt.
In diesem Punkt bleibt der Sozialreferent aber hart. Zur Gänze könne das
Land die Differenz erst 2007 oder 2008 übernehmen, sagt Buchinger.
"Das geht nicht von heute auf morgen."
© SN.
>orginal<

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