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AUGE/UG  war  KOOPERATIONSPARTNER der KONFERENZ:
25 th ANNIVERSARY RIGHT LIVELIHOOD AWARD    25 JAHRE ALTERNATIVER NOBELPREIS
8. BIS 13. JUNI 2005 in SALZBURG

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Dienstag, 27.12.05           salzburg ORF 

   BEDÜRFTIGE

Hoffnung für Sozialeinrichtung "Saftladen"

Nach dem turbulentem Jahr 2005 gibt es für die Sozialeinrichtung Saftladen nun doch gute News: Land und Bund zusammen finanzieren für 2006 drei Sozialarbeiter. Über Spenden kann noch eine Halbtagskraft gehalten werden.

Licht am Ende des Tunnels?

Die Armenküche des Saftladens in der Stadt Salzburg musste ja Ende September zusperren, und der Koch musste entlassen werden, weil das Justizministerium in Wien weniger Subventionen angekündigt hat.

Mittlerweile finanziert die Salzburg AG als Sozialsponsoring eine befristete Lösung über Lieferung von Speisen an Bedürftige aus der Betriebskantine.

Zu den - nach der Küchensperre - zusätzlich beim Saftladen befürchteten Kündigungen von Sozialarbeitern kommt es nun doch nicht.

150 Salzburger kommen täglich in den "Saftladen": Haftentlassene, Arbeitslose, Wohnungslose und psychisch Kranke.

Dreieinhalb Posten für Sozialarbeiter wurden bislang finanziert - zur Hälfte vom Justizministerium. Dieses will bis 2008 das Geld auf 20 Prozent reduzieren.

Mitarbeiter und Klienten froh

Ab Jänner 2006 hätte ein Sozialarbeiter gekündigt werden müssen. Das ist jetzt vom Tisch.

Vergangene Woche erhielten die Mitarbeiter gute Nachrichten mit der Post, sagt der grüne Gewerkschafter Robert Müllner:

"Die Mitteilung kam kurzfristig. Die Mitarbeiter empfinden das als Weihnachtsgeschenk, und auch die Klienten waren froh über diese Nachrichten."

"Basisdienst nicht nur mit Spenden finanzieren"

Zusätzlich wird ja ein Sozialarbeiter für ein halbes Jahr zusätzlich über Spenden finanziert. Müllner begrüßt das, sieht jedoch keine grundlegende Strategie für Sozialpolitik darin:

"Man wird und muss diese Jahr nutzen, dass man eine längerfristige Finanzierung sicherstellt. Es kann nicht sein, dass soziale Arbeit als wichtige Basis unserer Gesellschaft von Spenden abhängig sein soll.

Man hört aus dem Büro des zuständigen Soziallandesrates Buchinger, dass sich die Politik darum kümmern wird, wenn es vom Bund her andere soziale Aufteilungen gibt.

Man hat jetzt doch offensichtlich begriffen, dass es noch immer für alle Beteiligten gut ist, wenn man bestehende Einrichtungen rettet und ausstattet - anstatt sie scheibchenweise zugrunde gehen zu lassen. Der Neuaufbau von Strukturen wäre nämlich noch viel mühsamer."

Zugangsbeschränkungen vom Tisch

Damit würden auch Überlegungen wie Zugangsbeschränkungen oder eine Verkürzung der Öffnungszeiten vorerst wieder verworfen, sagt Gewerkschafter Müllner, der sich auch für Leute engagiert, die außerhalb des Arbeitsmarktes stehen oder stehen müssen.


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2.11.2005               Stadt Blatt 

"Wir sammeln weiter!"

3.000 Unterschriften für Billigmenü aus Saftladen-Küche

SALZBURG (cog). Innerhalb von nur wenigen Wochen gelang es Gerhard Raxendorfer, Vertreter der Saftladen-Klientel, 3.000 Unterschriften für die Rettung der Saftladen-Küche zu sammeln. Anlass dafür war die Entlassung des Kochs mit Ende September - seitdem  gibt es im Saftladen, der Tageseinrichtungsstätte des Vereins Neustart, kein billiges Mittagsmenü mehr (das Stadtblatt berichtete). "Wir wollen Druck auf Stadt und Land ausüben und auf die Bedeutung dieser Küche, die über die bloße Grundversorgung hinausgeht, hinweisen. 3.000 Jnterschriften sind ein großer Erfolg für uns, aber allein hätte ich das nie geschafft", freut sich Raxendorfer über die zahlreiche Unterstützung.

Angst vor weiteren Kürzungen

Vergangene Woche übergaben er und sein Mitstreiter Robert Müllner von AUGE (Alternative und Grüne GewerkschafterInnen) die Unterschriftenliste an die Landtagsabgeordnete Hilde Eisl (SPÖ), Cyriak Schweighofer (Grüne) sowie an die Salzburger Gemeinderäte Ingeborg Haller (BL) und Horst Buchinger (SPÖ). "Das Zusperren der Küche ist auch ein herber Schlag gegen die Sozialarbeiter, die gemeinsam mit ihrer Klientel für den Ausbau der neuen Küche Spenden gesammelt haben", so Müllner, der befürchtet, dass es nicht bei der Schließung der Küche bleibt: "Für mich schaut das Ganze nach Salamitaktik aus, denn ab Jahresende werden zusätzlich zwanzig Betreuungsstunden durch Sozialarbeiter gestrichen:'

Essen auf Rädern?

Der Verein Neustart, der den Koch aufgrund von Budgetkürzungen entlassen musste, kämpft auch im kommenden Jahr mit einem Finanzloch von rund 35.000 Euro. "Aber wir werden unser Auskommen finden", gibt sich Leo Schilcher von Neustart zuversichtlich. Wie es 2007 ausschaut, ist derzeit noch offen und muss erst mit dem Land ausverhandelt werden.

"Das ist Landessache"

Cyriak Schwaighof er von den Grünen fordert eine Finanzierung des Saftladen-Angebots über Landesmittel:

"Das ist Landessache, weil es nicht nur um Haftentlassene geht, sondern Anlaufstelle für viele sozial schwächere Menschen ist" Einig waren sich die Politiker bei der Übergabe der Unterschriftenliste darüber, dass eine Lösung gefunden werden muss, offen geblieben ist jedoch, wie diese aussehen soll.

Müllner und Raxendorfer haben noch nicht vor, aufzugeben: "Wir werden weitersammeln, nicht nur für das Saftladen-Essen, sondern auch für den Erhalt des bestehen Angebots."


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28.10.2005               Salzburger Nachrichten 

Für Erhalt des Saftladens

3000 Unterschriften an Politiker übergeben

Salzburg-STADT (SN-pab). "Jetzt geht es nicht mehr nur um die Weiterführung der Küche. Wir haben Angst davor, dass die Einrichtung geschlossen wird." Das sagen Robert Müllner und Gerhard Raxendorfer, die Initiatoren der Unterschriftenaktion für den "Saftladen". Die beiden übergaben am Donnerstag 3000 Unterschriften an die Landtagsabgeordneten Hilde Eisl (SPÖ) und Cyriak Schwaighofer (Grüne) sowie die Salzburger Gemeinderäte Ingeborg Haller (Bürgerliste) und Horst Buchinger (SPÖ).

Seit Ende September bekommen Haftentlassene, Arbeitslose und Obdachlose im Saftladen kein billiges Mittagsmenü mehr. Das Justizministerium hat die Gelder für den Verein Neustart gekürzt, weil mehr als 70 Prozent der Besucher nicht zur "Strafjustiz-Klientel" gehören. Aus diesem Grund sollten Land und Stadt Salzburg Anteile des Ministeriums übernehmen.

"Der Betrieb für 2006 ist gesichert, für 2007 wird verhandelt", heißt es im Büro von Soziallandesrat Erwin Buchinger (SPÖ).

© SN.


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21.10.2005               SALZBURGER WOCHE 

 Stadt  Nachrichten   

2000 Unterschriften

"Positive Signale" für die "Saftladen"-Küche

SCHALLMOOS (spi). Über 2000 Unterschriften wurden bereits für die Erhaltung der Küche im "Saftladen" gesammelt. "Ich war überrascht, dass so viel Rückhalt für den ,Saftladen' in der Bevölkerung vorhanden ist und es in kurzer Zeit gelungen ist, eine so große Zahl an Unterschriften zu sammeln", freut sich Robert Müllner von der Alternativen und Grünen Gewerkschaft, die sich an der Aktion beteiligt hat.

Mittlerweile gebe es auch zahlreiche Angebote, die die Weiterführung des Küchenbetriebs ermöglichen sollen. "Das Arbeitsmarktservice hat sich angeboten, etwa einen Koch zu 'vermitteln, auch die Tourismusschule in Kleßheim könnte mit Praktikanten aushelfen", erzählt Müllner.

"Jetzt ist die Politik in Stadt und Land sowie der Vereinsvorstand gefordert zu beweisen, dass sie in der Lage sind, die gemachten Angebote zu nutzen, um die Küche weiterzuführen und auch das Betreuungsangebot im bisherigen Maß aufrecht zu erhalten", fordert der Gewerkschafter.

"Dies umso mehr, als auf Grund der derzeitigen Arbeitsmarktlage keine Verbesserung der Situation für haftentlassene und für obdachlose Menschen in Salzburg zu erwarten ist". Mehr als 100 Menschen besuchen täglich den "Saftladen".

Andrea Pawlowski, Leiterin des Trägervereins "Neustart" , hält sich vorerst noch bedeckt. "Wir stecken mitten in den Verhandlungen mit verschiedenen Partnern, da möchte ich nichts dazu sagen". Eines lässt sie sich aber doch entlocken. "Es gibt viele positive Signale und die Situation sieht gut aus, aber es ist noch nichts fixiert. Ich denke aber, dass wir in den nächsten Wochen eine Lösung finden werden, wie wir die Kücheweiterführen können". In den Gesprächen mit Stadt und Land herrsche ein "positives Klima", so Pawlowski.


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18.10.2005               Salzburger Nachrichten 

Schatz setzt stärker auf den Zentralraum

MARTIN ARBEITER Interview Landesgeschäftsführerin Birgit Schatz (35) geht als Spitzenkandidatin der Grünen in die Nationalratswahl 2006. Schatz erhielt bei der Landesversammlung schon im ersten Wahlgang 55,6 Prozent der Stimmen. Amtsinhaberin Heidi Rest-Hinterseer landete hinter Heinrich Schellhorn nur auf dem dritten Platz.

Haben Sie ein solches Ergebnis im ersten Wahlgang erwartet? Schatz: Nein. Ich habe damit gerechnet, dass beim ersten Wahlgang alle drei Kandidaten etwa gleichauf liegen und dass es zu einer Stichwahl kommt.

Heidi Rest-Hinterseer setzt sich für die ländlichen Regionen ein. Wie wollen Sie ihre Arbeit als Spitzenkandidatin anlegen? Schatz: Ich möchte als Nationalratsabgeordnete politisch stark in Salzburg präsent sein. Der Schwerpunkt meiner Arbeit wird auf dem Zentralraum liegen. Da ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass wir unsere Wähler persönlich treffen. Unsere Ressourcen sind auf Grund unserer Größe beschränkt. Wir müssen deshalb Prioritäten setzen.

Wo sehen Sie ihre Stärken? Schatz: Ich will nicht missionieren sondern überzeugen. Eine meiner Stärken ist, dass ich den intensiven Kontakt zu den Menschen suche. Politisch interessiere ich mich für Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie Universitäten und Bildung. Das wird auch mein Themenprofil sein. Im Nationalrat würde es mich reizen im Ausschuss für Arbeit und Soziales oder im Ausschuss für Wissenschaft und Forschung mitzuarbeiten.

Die Wahlen in der Steiermark und im Burgenland haben für die Grünen einen Dämpfer gebracht. Wie ist die Stimmung in Salzburg? Schatz: Ich bin in keinem Stimmungstief. Auch bei den Salzburger Grünen und bei der Bundespartei ist von Niedergeschlagenheit keine Spur. Landtagswahlen sind Landtagswahlen. Die Wahlen in Wien werden für uns sicher wieder sehr gut ausgehen.

Ihr Ziel für die Nationalratswahlen 2006? Die Hürde für das Grundmandat liegt bei 9,8 Prozent. Schatz: Ich bin optimistisch, dass wir die 10,4 Prozent halten und sogar noch ausbauen können.

Wie gut ist das Verhältnis zwischen den Grünen auf dem Land und der Bürgerliste in der Stadt? Schatz: Die Beziehung ist sehr harmonisch. Das zeigt auch, dass Sonja Schiff und Bernhard Carl (Bürgerliste, Anm.) in den neuen Vorstand gewählt wurden.

Wann beginnt der Wahlkampf? Schatz: Am 24. Oktober konstituiert sich der Landesvorstand. Da werden die Weichen gestellt.

© SN.


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Freitag, 15.10.05           salzburg ORF 

   GRÜNE

Birgit Schatz neue Nationalrats-Kandidatin

Die nächste Nationalratswahl soll zwar erst in gut einem Jahr stattfinden, die Salzburger Grünen haben aber bereits am Samstag ihre neue Spitzenkandidatin gekürt: Landesgeschäftsführerin Birgit Schatz.

55 Prozent im ersten Wahlgang
Bisher wurden die Salzburger Grünen ja von Heidi Rest-Hinterseer aus Dorfgastein im Parlament in Wien vertreten. Bei der Landesversammlung der Grünen am Samstag im Salzburger Kolpinghaus stimmten die 72 Delegierten im ersten Wahlgang mit 55 Prozent für Birgit Schatz.

 

Die grüne Landesgeschäftsführerin will sich vor allem in der Sozial- und Bildungspolitik engagieren: "Ich bin nicht zufrieden mit der Lebens- und Arbeitssituation vieler Menschen", sagt sie. Hinter ihr auf der Liste gereiht sind Heinrich Schellhorn und Martina Berthold.


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12.10.2005               Salzburger Nachrichten 

Solidarisch mit Saftladen

2000 unterschrieben für Erhalt der Küche

Salzburg-STADT (SN-pab). Vor drei Wochen sperrte der Verein Neustart die Küche des "Saftladens" zu, wo Haftentlassene, Frühpensionisten und Obdachlose täglich ein billiges Essen bekommen hatten. Seither haben 2000 für die Weiterführung der Küche unterschrieben. "Das zeigt die hohe Wertschätzung der bisherigen Arbeit der Einrichtung", sagt der grüne Gewerkschafter Robert Müllner.

Für den Verein geht es darum, das Mittagessen kostenneutral anbieten zu können. "Wir sind daran interessiert, dass es wieder ein warmes Essen gibt", sagt Andrea Pawlowski. Über Alternativen zum bisherigen Küchenbetrieb werde nachgedacht.

Im Gespräch ist beispielsweise, dass die Soziale Arbeit GmbH den Saftladen von der Küche des "Schmankerl" aus versorgt. Das Schmankerl könnte im Gegenzug mit Unterstützung des AMS rechnen. "Wenn eine Arbeitskraft benötigt wird, könnten wir diese hinschicken", sagt Therese Preisig.

Gemeinderätin Ulrike Saghi (Bürgerliste) stellt klar: "Sollte dieses Angebot für Obdachlose nicht weiter bestehen, müssten Stadt und Land eigene Versorgungsstrukturen aufbauen. Aber dann explodieren die Kosten."

© SN


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23.09.2005               Salzburger Nachrichten 

Leere Pfannen in der "Saftladen"-Küche

Zum 25-Jahre-Jubiläum der Sozialeinrichtung "Saftladen" wird die Küche geschlossen. Dem Betreiber-Verein "Neustart" fehlt das Geld, um den Koch zu bezahlen. Erst vor einem Jahr war die neue Großküche in Betrieb genommen worden, fast 9000 Essen wurden im Vorjahr verkauft.

EVA SPIESSBERGER

schallmoos. "Für viele wohnungslose Menschen ist der 'Saftladen' die einzige Möglichkeit, zu einer warmen Mahlzeit am Tag zu kommen", lautet der Text auf der Unterschriftenliste, die Gerhard Raxdorfer, Sprecher der Gäste des "Saftladens" aufgelegt hat, um für den Erhalt des Küchenbetriebes zu kämpfen. Um zwei Euro konnten sozial benachteiligte Menschen im "Saftladen" ein Essen kaufen, geboten wurden Frühstück, Mittagessen, Imbisse, Kaffee oder Tee.

8886 Menüs gingen im Jahr 2004 durch die Speisenausgabe, ab sofort wird es "nur noch Snacks, wie Würstel oder Toast geben", erklärt Hermann Oberdünhofen, einer der Sozialarbeiter im Team. An Spitzentagen besuchen bis zu 150 Menschen täglich den "Saftladen". Die durchschnittliche Besucherzahl sei von 98 Gästen pro Tag im Jahr 2004 auf 120 im Jahr 2005 gestiegen, erklärt Oberdünhofen. Wenn die Küche nun geschlossen wird, "wird es sicher einen Einbruch bei den Gästen um 40 oder 50 Prozent geben", befürchtet Raxdorfer. "Mit dem Rückgang der Besucher werden weiter Argumente geliefert, um das Angebot im Saftladen noch mehr auszudünnen."

8886 Menüs gingen durch Speisenausgabe "Der Saftladen wird gebraucht in Salzburg. Es gibt sonst keine Einrichtung, wo man so günstig essen kann", betont Oberdünhofen. Die "Wärmestube" in der Stadt habe nur am Wochenende geöffnet, und das "Schmankerl" sei etwas teuerer und ein Projekt, welches in eine andere Richtung gehe. "Außerdem hat Essen eine sozial wichtige Funktion. Hier geht es auch um die menschliche Würde, darum zu sagen, "Ich kann mir mein Essen leisten", betont Ursula Brandauer, ebenfalls Sozialarbeiterin im "Saftladen". Andrea Pawlowski, Leiterin des Trägervereins "Neustart", sieht wenig Chancen, den Betrieb wie bisher weiterzuführen, der Koch wurde mit Ende September gekündigt. "Wir mussten seit einigen Jahren Einsparungen in der Höhe von 15 Prozent hinnehmen. Die Kosten sind hingegen stark gestiegen."

Dabei wurde die neue Großküche erst vor rund einem Jahr nach der Übersiedlung in die Schallmooser Hauptstraße in Betrieb genommen. In einer Bausteinaktion wurden "16.000 Euro an Spendengeldern dafür gesammelt", betont Gäste-Sprecher Raxdorfer. "Die Küche ist zwar nicht mehr in Vollbetrieb, aber die Besucher können gemeinsam kochen, oder es könnten auch Kochkurse abgehalten werden", so Pawlowski.

"Eine solche Entscheidung zu treffen ist sehr hart. Ich verstehe die Aufregung, aber für uns war es wichtig, die Sozialarbeit im Saftladen aufrecht zu erhalten", so die "Neustart" - Leiterin. Finanziert wird der Betrieb von Bund und Land. 147.350 Euro habe der "Saftladen" in den Jahren 2004 und 2005 vom Land bekommen, heißt es aus dem Büro des zuständigen Politikers Erwin Buchinger. Von Seiten des Landes seien künftig keine Kürzungen vorgesehen. Pawlowski selbst hält sich bedeckt, was die Zahlen angeht. "Derzeit wird verhandelt. Wir sind bemüht, die Qualität aufrecht zu erhalten."

Neben Verköstigung und der Beratung durch Sozialarbeiter stehen im Saftladen  Waschmaschine, Trockner, Duschen und eine "Kleiderkammer" mit gebrauchter Kleidung, sowie ein Tischtennis- und ein Billardtisch zur Verfügung. Ziel ist es, den Leuten bei der Strukturierung ihres Alltags zu helfen.

Übrigens: Gegen ein Aus der Küche haben Betroffene mittlerweile eine Unterschriftenaktion gestartet, die die Alternativen und Grünen Gewerkschafter (AUGE) unterstützen.

© SN


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28.05.2005             Die Presse.com


Neoliberalismus:
"Schlimmer als Kapitalismus"

VON HEDI SCHNEID (Die Presse) 28.05.2005

Interview. Management-Professor Malik kritisiert die USA als potemkinsches Dorf, das kein Vorbild sein sollte.

st. gallen/wien. "Neoliberalismus ist viel schlimmer als Kapitalismus - denn Geld, nicht Kapital beherrscht Denken und Handeln." Wirtschaftsprofessor und Managementberater Fredmund Malik macht kein Hehl aus seiner Ablehnung des aktuellen Wirtschaftens. Das, was derzeit - vor allem im kriselnden Europa - als bestes aller Wirtschaftssysteme bewundert werde, sei die "Pervertierung des echten Liberalismus", wie er von August von Hayek oder Ludwig von Mises vertreten worden ist, sagt Malik im Gespräch mit der "Presse".

Die Wurzel allen Übels sind für den Chef des Management Zentrum St. Gallen die USA. Es sei ein kompletter Irrglaube, dass die Wirtschaft der USA so stark sei. "Sie ist nur groß". Was angesichts eines Binnenmarktes mit knapp 300 Mill. Konsumenten, einer einheitlichen Sprache und Währung - die noch dazu weltweit dominieren - keine Kunst sei. Maliks Kritik an den USA geht aber noch weiter. Die US-Wirtschaft strahle nur scheinbar: "Die Zahlen sind falsch - ich sage nicht gefälscht". Sowohl in die Daten zum Wirtschaftswachstum als auch in die Beschäftigungsraten würden wenig relevanter Messzahlen eingerechnet. Somit sei das Wirtschaftswachstum euphorisch um zwei Prozentpunkte höher.

"Wenn die USA wirklich stark wären, würde ich mir um Europa keine Sorgen machen - aber der Crash des potemkinschen Dorfes dort ist programmiert: die Aktien sind überbewertet, Immobilienpreise überhitzt." Malik rechnet deshalb in den nächsten fünf Jahren mit massiv sinkenden Börsekursen. "Zwischen 2000 und 2002 haben wir bereits einen Vorgeschmack erhalten".


"Wenn man die immensen Kosten der Wiedervereinigung - die nicht in die Kaufkraftstärkung geflossen sind - herausnimmt, steht Deutschland nicht so schlecht da."

Prof. Fredmund Malik zur Deutschlandkrise

Warum kopiert Europa - aber auch Russland und China - unkritisch die USA und deren Managementmethoden, die laut Malik in der Fehlmeinung gipfelten, der "Zweck von Unternehmen bestehe allein darin, Geld zu machen"? In Europa sei durch "Saturiertheit und Selbstgefälligkeit" ein Vakuum entstanden, das den neoliberalen Ideen den Weg geebnet habe. Dazu gehöre übrigens auch ein Managen, das sich ausschließlich am "grässlichen" Shareholder Value orientiert. "Das ist Buchhalter-Mentalität, die einzig während der Börsenhausse funktioniert hat." Österreich habe übrigens den US-Unfug nur auf kleiner Flamme betrieben , weil die dafür anfälligen Unternehmen fehlten.

Als Grund, warum speziell der Wirtschaftsriese Deutschland in einer so tiefen Krise steckt, ortet der Ökonom die extrem kostspielige Wiedervereinigung, die ebenfalls sehr teure EU-Erweiterung und letztlich die Macht der Gewerkschaften, die schon viel früher in die Schranken hätten gewiesen werden müssen. Sind die Briten nicht ein Vorbild? "Nein", sagt Malik ganz klar, "denn sie haben ihre Hausaufgaben in der EU nicht gemacht."

Die Kapitalismusdebatte ist für den gebürtigen Österreicher, der an den Universitäten Innsbruck und St. Gallen studierte, genauso obsolet wie der Ruf nach raschen Reformen. Zu groß seien die Schäden, die durch falsches Wirtschaften entstanden seien. "Die Politiker sollten endlich akzeptieren, dass der Staat den Aufschwung nicht finanzieren kann, Japan hat das vorgezeigt." Dort hätten 15 staatliche Konjunkturprogramme nichts gebracht. Erst als die "Altlasten" wie faule Bankkredite und hohe Schulden bereinigt waren, ging es bergauf.

Malik zeichnet die Zukunft Europas düster - und dann doch nicht. Er warnt wohl vor einer deflationären Rezession, wenn nicht Depression. Andererseits gebe es auch in Europa vitale Unternehmen. "Damit meine ich große Mittelständler wie Porsche, Boehringer oder Swarovski, die auf ihrem Sektor Weltmarktführer sind." Sie seien innovativ und stellten den Kunden in den Vordergrund - für Malik die wichtigsten Erfolgsfaktoren. Also Customer statt Shareholder Value.


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24.02.2005             Die Presse.com

Vorsorge:
Weniger Abfertigung im neuen System


Die "Abfertigung neu" kämpft mit Anfangsschwierigkeiten. So liegt die Wertentwicklung unter den Erwartungen.

Wien (ps). Seit gut zwei Jahren treten Mitarbeiter, die ein neues Dienstverhältnis eingehen, automatisch in das neue Abfertigungssystem ein. Im Gegensatz zum alten System verfallen Abfertigungsansprüche nicht (wie etwa bei Kündigung durch den Arbeitnehmer), sondern werden über ein Vorsorgekonto mitgenommen. Inzwischen sind 1,5 Millionen Arbeitnehmer im neuen System. Freiwillig wechselt allerdings kaum jemand in die "Abfertigung neu".

Für langgediente Mitarbeiter, die nicht an eine Kündigung denken, ist ein Systemwechsel auch nicht unbedingt attraktiv. Denn der vom Gesetzgeber bei der Einführung der Mitarbeitervorsorgekassen unterstellte Wertgewinn von sechs Prozent jährlich ist "nicht oder nur sehr schwer erreichbar", wie Markus Zeilinger und Wolfgang Huber, Vorstände der Bonus Mitarbeitervorsorgekasse am Mittwoch vor Journalisten sagten. Auch Heinz Behacker, Vorstand vom Marktführer VBV, meint im Gespräch mit der "Presse", er bezweifle, dass sechs Prozent Wertgewinn im langfristigen Durchschnitt zu erreichen seien. Im Vorjahr lag der Wertzuwachs der Kassen bei 4,58 Prozent, im Jahr davor bei 3,81 Prozent.

Aber nur bei einer sechsprozentigen Performance würden die Ansprüche nach 37,5 Jahren dem Niveau der alten Abfertigung (ein Jahresgehalt) erreichen. Huber glaubt, dass dieses Ziel nur durch eine Anhebung des Beitragssatzes (derzeit 1,53 Prozent des Bruttoentgelts) erreichbar sei. Eine Erhöhung der Beiträge schließen freilich die Unternehmer kategorisch aus: Der "Satz ist einzementiert", betonte Martin Gleitsmann, Sozialexperte der Wirtschaftskammer. Er meint, man solle nicht "nervös und ungeduldig" werden, auch wenn die sechs Prozent mittelfristig kaum erreichbar scheinen. Immerhin hätten dank des neuen Systems alle Arbeitnehmer Zugang zu einer Abfertigung erhalten.

Die "Abfertigung neu" weist aber ein weiteres Manko auf: Gut 15.000 Betriebe haben bislang keine Mitarbeitervorsorgekasse ausgewählt, die Beiträge von rund 180.000 Arbeitnehmern liegen kaum verzinst auf den Konten der Krankenkassen. Eine Gesetzesnovelle sieht vor, dass alle Betriebe bis Herbst eine Mitarbeitervorsorgekasse auswählen müssen. Andernfalls werden sie einer Kasse zugeteilt.


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1.6.2005   SALZBURGER  FENSTER 

Geschlechtsneutrale Bezeichnung der Arbeiterkammer vertagt

„Immer wieder wird betont, wie wichtig der Stellenwert der Frauen ist; über eine geschlechtsneutrale Bezeichnung der Arbeiterkammer will man aber nicht diskutieren.“ Robert Müllner, AUGE-Fraktionsvorsitzender in der AK Salzburg, hätte sich wenigstens eine Diskussion darüber erwartet. Ein entsprechender Antrag der Grün-Alternativen GewerkschafterInnen wurde bei der Vollversammlung am 18. Mai jedoch kurzerhand an den Vorstand verwiesen – wo er vergammeln könnte, wie befürchtet wird.

Der Grün-Alternativ-Gewerkschafter ist übrigens seit kurzem freigestellter Betriebsratsvorsitzender bei Maco Beschläge – mit 330 Angestellten und 420 Arbeitern einer der größten Industriebetriebe Salzburgs. Bei der Betriebsratswahl vor etwa drei Wochen hatte die „Unabhängige Namensliste Müllner“ gegen eine FSG-Liste 87 Prozent erreicht. Und das bei einer beachtlichen Wahlbeteiligung von 88 Prozent.

Auf Initiative von Robert Müllner wurde Maco ein Klimabündnis-Betrieb.

  www.salzburger-fenster.at


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30.04.2005     Die Presse.com

 

Österreich:
Statistik unterschlägt 300.000 Arbeitslose


Experte: Wirkliche Arbeitslosenrate liegt über zehn Prozent.Versteckt: 300.000 jobwillige Hausfrauen, Kursbesucher, Frühpensionisten, Schulabgänger.

Wien. Für jene, die einen Job haben, fällt der Tag der Arbeit heuer ungünstig. Trotzdem werden am Sonntag Sozialdemokraten aufmarschieren, in der Wiener Hofburg lädt die Regierungsspitze zum Arbeitsmarktgipfel. Dabei können immer weniger Österreicher beim "Lied der Arbeit" mitsingen. Laut Arbeitsmarktservice waren 2004 im Schnitt 244.000 Österreicher ohne Job. Das ergibt eine Quote von 7,1 Prozent. "Die Statistik verschleiert das wahre Ausmaß der Problems", übt der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider im "Presse"-Gespräch heftige Kritik. Laut Schneider liegt die versteckte Arbeitslosigkeit "über zehn Prozent".

"Wir sind in Wahrheit nicht viel besser als die Deutschen", sagt der Ökonom. Denn die Statistik listet nur jene auf, die beim Arbeitsmarktservice gemeldet sind. Nicht enthalten sind 42.000 Menschen, die Weiterbildungskurse absolvieren. Oder 20.000 Arbeitslose, die um eine Frühpension angesucht haben. Oder 126.000 Hausfrauen, die laut Schneider den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess nicht schaffen. Hinzu kämen Frühpensionisten, die zwangsweise in den Ruhestand geschickt werden. "Jeder zweite Frühpensionist möchte weiterarbeiten", zitiert Schneider aus einer seiner Studien. In Österreich gibt es also etwa 100.000 Frühpensionisten, die sich "arbeitslos" fühlen.

Jobsuche im "Hotel Mama"

Vergeblich sucht man in der Statistik Schulabgänger oder Uni-Absolventen, die noch nicht gearbeitet haben. "Wenn ein Jugendlicher weder in Ausbildung noch auf dem Arbeitsmarkt ist, sondern im Hotel Mama lebt, könnte es sich auch um einen "versteckten Arbeitslosen" handeln, meint Gernot Mitter, Arbeitsmarktexperte der Arbeiterkammer.  Tausende Jugendliche dürften im "Hotel Mama" auf Jobsuche sein.

Fazit: Neben den offiziellen 244.000 Arbeitslosen gibt es in Österreich mehr als 300.000 Personen, die sich selber als "arbeitslos" definieren, jedoch nicht in der Statistik aufscheinen.

Auch was die Beschäftigung betrifft, ist Österreich längst keine Insel der Seligen mehr. Allein das Heer der Frühpensionisten macht einen Vergleich mit anderen EU-Ländern äußerst schwierig. Denn hierzulande gehen  jedes Jahr allein 4000 Beamte in den vorzeitigen Ruhestand. Lehrer, die wegen des Geburtenrückgangs keinen Job hätten, Eisenbahner, die nicht mehr benötigt werden.

Was die Frühpensionierungen betrifft, "sind wir Weltmeister", meint Volkswirt Schneider. Laut EU-Kommission sind in Österreich nur 30,4 Prozent aller 55- bis 64-Jährigen beschäftigt. In der EU-15 haben 41,7 Prozent in dieser Altersgruppe einen Job.

Versteckte Arbeitslosigkeit ist zumeist weiblich: "Viele Hausfrauen denken: Im besten Fall bekomme ich einen Teilzeitjob als Regalbetreuerin und verdiene 500 Euro im Monat. Da bleibe ich lieber länger daheim, bis ich einen besseren Job finde", sagt Mitter.

In den strukturschwachen Regionen sind es zuerst die Frauen, die auf der Strecke bleiben, berichtet Gerhard Ableidinger, Chef des AMS Gmünd. Im Waldviertler Grenzraum liegt die Frauen-Arbeitslosenquote bei 9,5 Prozent. "60 Prozent haben maximal Pflichtschulabschluss", erzählt Ableidinger. Zehn Prozent sind länger als ein Jahr auf Jobsuche.

Es gibt aber auch solche, die zwar in der Statistik aufscheinen, sich aber nicht als Arbeitslose sehen. "Im Winter haben wir sogar zu wenig Arbeitskräfte", sagt Günther Stürz vom AMS in Landeck in Tirol. Da arbeiten die Frauen der Region im Tourismus, es müssen zudem noch Saisonniers aus Ostdeutschland importiert werden. Im Mai und November liegt die Arbeitslosenrate hingegen bei 17 Prozent. Diese Art der Arbeitslosigkeit ist für Zehntausende Österreicher - auch viele Bauarbeiter - die normalste Sache der Welt.


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Freitag, 14.01.05     salzburg ORF 

LAND VERSPRICHT:

"Mehr Wertschätzung für Sozialvereine"
Die Sozialvereine dürfen in Zukunft mehr Wertschätzung und Planungssicherheit vom Land erwarten . Das zeigt eine Studie Studie, in der die Arbeiterkammer die Zufriedenheit der Sozialvereine mit dem Land untersuchte.

2.500 Mitarbeiter im Bundesland Salzburg
2.500 Salzburgerinnen arbeiten bei diesen Sozialdienstleistern. Auf einen Kollektivvertrag werden sie allerdings noch länger warten müssen.

Buchinger: "Wertschätzung ist die beste Motivation"
40 Prozent der befragten Sozialvereine und - Gesellschaften sind laut Studie mit der Anerkennung des Landes für ihre Dienste nicht zufrieden. Hier will Sozial-Landesrat Erwin Buchinger ansetzen: "Wertschätzung für Arbeit ist nicht nur die kostengünstigste Form der Motivation, sondern auch die beste, weil es Kräfte und Energien freisetzt."

"Budget erlaubt keine bessere Bezahlung"
Mit den Partnergesprächen, die er als Modell vom Arbeitsmarktservice (AMS) in die Landespolitik gebracht habe, sei da bereits ein erster Schritt getan, sagt Buchinger. Hoffnung auf Anerkennung der sozialen Dienstleistungen durch bare Münze macht Buchinger freilich nicht:

"In der derzeitigen Budget-Situation des Landes können selbst tarifliche Erhöhungen wie die Inflationsabgeltung kaum vorgenommen werden, ganz zu schweigen von kollektivvertraglichen Besserstellungen."

AK-Chef Pichler: "Neue Studie in zwei Jahren"
Arbeiterkammer-Präsident Siegfried Pichler kündigt bereits eine neue Studien in zwei jahren an, wo dann Verbesserungen im Umgang, bei der Einbeziehung in Planug und bei längerfristigen Vertragen erhoben werden sollen. Und bei den Kollektivverträgen will Pichler nicht nachgeben: "Nur Lob und Anerkennung ist uns als zukünftige Entlohnungsform zu wenig. Wir erwarten uns ganz klar, dass dieser Kollektivvertrag angewendet wird."

"Können Kollektivverträge erzwingen"
Zur Zeit laufe auch bereits ein Verfahren, mit dem die Anwendung der Kollektivverträge erzwungen werden kann, ergänzt Pichler.

>siehe auch AUGE-Salzburg AK-Antrag zu diesem Thema<


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15. Jänner 2005         DERSTANDARD

Unfallversicherung soll Löhne mitfinanzieren
Massive Kritik am Griff in den AUVA-Topf

Wien - Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) muss sich nun einen tiefen Griff in ihren Finanztopf gefallen lassen, weil sie für den von der Regierung abgeschafften Entgeltfortzahlungsfonds einspringen muss.

Klein- und Mittelbetriebe sollen nämlich die Hälfte der - bisher von ihnen allein zu berappenden - Lohnfortzahlung für erkrankte Mitarbeiter von der AUVA kassieren dürfen.

35 Millionen Euo für 2005

"Wir müssen dafür heuer 35 Mio. Euro budgetieren", bestätigt AUVA-Chef Helmut Klomfar auf STANDARD-Anfrage. In den kommenden Jahren werde diese Summe sicher kontinuierlich anwachsen.

Davon sind auch Kritiker wie der Präsident der niederösterreichischen Arbeiterkammer, Josef Staudinger, überzeugt, der die aktuell notwendige Summe bei 60 Mio. Euro ansetzt; andere sprechen überhaupt von hundert Mio. Euro. Staudinger kritisiert deshalb ein vorsätzliches Aushungern der Unfallversicherung: "Deren Mittel müssen für die Unfallverhütung und -renten sowie für die Rehabilitation und nicht für Lohnzuschüsse da sein."

2005 wird die AUVA in ihrem Gesamtergebnis ein Minus von rund fünf Mio. Euro schreiben, weil sie von der Regierung auch zur Mitfinanzierung der E-Card verdonnert wurde und dafür vier Mio. Euro beisteuern muss.

Freuen können sich hingegen rund 240.000 Klein-und Mittelbetriebe (mit bis zu 50 Mitarbeiter), die im Zeitraum vom elften bis zum 42. Krankenstandstag eines Arbeitnehmers die Hälfte der Lohnfortzahlung von der AUVA ersetzt bekommen.

Kranke unter Druck

Seit der Abschaffung des - solidarisch von allen Arbeitgebern gespeisten - Entgeltfortzahlungsfonds hatten die Kleinen vehement über die finanzielle Mehrbelastung gestöhnt. Um dieser zu entkommen, mehrten sich in der Folge die Fälle, in denen knapp vor einem absehbaren Krankenstand oder währenddessen Kündigungen ausgesprochen wurden.

"Dabei haben kranke, teilweise im Spital liegende Arbeitnehmer einer einvernehmlichen Jobauflösung unter Druck zugestimmt," schildert Sozialexperte Johannes Denk. Kam es im Zuge einer solchen Kündigung zu einer Wiedereinstellungszusage, war dies ein Umgehungsgeschäft auf Kosten der Krankenkassen, die das Krankengeld lockermachen muss. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.01.2005)


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