| Der ÖVP-Wirtschaftsflügel will Private im Gesetz
vorziehen. Die öffentliche Hand soll nur noch dann Straßen
und Schulen bauen, wenn sie das besser kann.
WIEN (SN-lei).
Mit einem ungewöhnlichen Vorschlag gingen am Montag
Karlheinz Kopf, Generalsekretär des Wirtschaftsbundes, und
Wilfrid Stadler, Vorstand der Spezialbank Investkredit, an die
Öffentlichkeit: Um gemeinsamen Projekten von öffentlicher
Hand und Privaten stärker zum Durchbruch zu verhelfen, soll
eine Beweislastumkehr zu Gunsten privater Unternehmen eingeführt
werden. Sprich: Die öffentliche Hand soll nur noch dann
Leistungen erbringen, wenn sie diese besser oder günstiger
als Private erbringen kann. Eine Gemeinde sollte einen
Kindergarten nicht selbst bauen, sondern diese Aufgabe
Privaten übertragen. Ähnliches gilt für die Straßen der Länder
oder die Schulen des Bundes. Ziel dieser Bestimmung sei es,
den Automatismus abzuschaffen, dass der Staat für alles zuständig
sei, betonten Kopf und Stadler. Die Erfahrung mit PPP (Private-Public-Partnership)
seien äußerst ermutigend. In Groß-britannien würden
bereits 20-1073742904er Nettoinvestitionen des öffentlichen
Sektors über PPP abgewickelt. 17% der Kosten seien so
eingespart worden. In Holland sei man auf 12 bis 18
2.075914E+243rsparnis gekommen, bei zwei Schulbauten in
Nordrhein-Westfalen auf 12 bis 15%.
Der Wirtschaftsbund ist überzeugt, dass die Einbindung
Privater den Staat unter
"Professionalisierungsdruck" bringt. Deshalb solle
auch in Österreich jedes Infrastrukturprojekt auf eine
private Umsetzung hin abgeklopft werden. Wobei sich Kopf
bewusst ist, dass die PPP-Initiative bei SPÖ-regierten Städten
und Bundesländern auf Widerstand stoßen wird. Für den
Beginn könnte er sich daher vorstellen, die Beweislastumkehr
nur auf Bundesebene vorzusehen. Kopf ist optimistisch, damit
in der ÖVP-FPÖ-Koalition durchzukommen. EU-Vorgaben machten
ohnehin die Aufnahme eines PPP-Gesetzes ins Vergaberecht nötig.
Darin soll geregelt werden, wie die öffentliche Hand zu ihren
Partnern kommt. Ein Parlamentsbeschluss könnte schon im
Herbst erfolgen.
Zudem wünscht man sich eine "Task Force PPP" auf
Regierungsebene (idealerweise im Finanzministerium). Ein
solches Gremium habe auch in Großbritannien den Weg für die
breite Anwendung von PPP-Projekten geebnet.
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