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Die besten Wirtschaftslügen der Gegenwart

"Mythen der Ökonomie" verspricht ein neues Buch aufzuklären

In den Top Ten des Neoliberalismus zu finden: "Die Steuern sind zu hoch", "Arbeit ist zu teuer" und "Private Altersvorsorge ist sicherer als staatliche Rente". Keine politische Talkshow, kein Leitartikel, keine Wirtschaftsexperten für den kleinen Mann, die diese Lieder nicht im Schlaf beherrschen. Wer in diesen Chor nicht einstimmen, und neben Antipathie auch solide Argumente wider die Ökonomie der Gegenwart haben möchte, dem sei ein eben erschienenes Buch empfohlen. "Mythen der Ökonomie" will eine "Anleitung zur geistigen Selbstverteidigung in Wirtschaftsfragen" liefern, wie schon der Untertitel verrät. Und das ist nicht zuviel versprochen.

Zum Beispiel die Pensionen: Dass die nicht mehr sicher sind, weil "wir" immer älter werden und das Geld von immer weniger Jungen stammt, ist ein Gemeinplatz, der selbst aufgeklärteste Menschen erreicht hat. Die, falls sie ausnahmsweise nicht prekär beschäftigt sind und so das nötige Geld haben, schon mit 30 beginnen, den Bausparvertrag der Mutter aufzulösen und in die private Versicherungsanstalt einzuzahlen. Man weiß ja nie. Das Argument mit der Demografie, so die "Mythen der Ökonomie", wird immer nur zur Hälfte erzählt: Zwar stimmt es, dass im heute (noch) praktizierten Umlageverfahren immer weniger Beitragszahlende für immer mehr PensionistInnen aufkommen müssen. Doch auch im so genannten Kapitaldeckungsverfahren, das die neoliberalen Spatzen von den Dächern pfeifen, spielt die künftige Alters- und Wirtschaftsentwicklung eine entscheidende Rolle. Denn wenn alle, die heute eine private Altersversicherung abschließen, eines Tages in Pension gehen, werden sie nur den - prognostizierten - wenigen jungen und erwerbstätigen Menschen gegenüberstehen. Genau die sollen aber dann ihre Aktien und Anleihen kaufen, mit denen sie ihre Pension genießen wollen. Und nach den Binsenwahrheiten der Ökonomie wird das zu einem niedrigen Preis führen - somit zu einer Absenkung des Rentenniveaus. Ganz zu schweigen von den Widersprüchen, in die sich Menschen schon heute begeben, die in private Versicherungen einzahlen: Auf der einen Seite wünschen sie ertragreiche Anlagen, sprich Unternehmensgewinne. Auf der anderen Seite sind sie als heute Beschäftigte an stabilen Jobs und hohen Löhnen interessiert - Widerspruch von Kapital und Arbeit, ick hör dir trapsen!

Weitere Evergreens des ökonomischen Hausverstands werden gnadenlos verrissen: Staatsverschuldung ist gut, weil damit nicht nur die - wie immer beklagten - Kosten von Investitionen auf zukünftige Generationen übertragen werden, sondern auch deren Nutzen (Verkehrsnetze, Krankenhäuser, Schulen etc.). Arbeit wird in den untersuchten Ländern Österreich und Deutschland im Vergleich mit den Handelspartnern (selbst Ungarn oder Polen) nicht teurer, sondern immer billiger - und zwar wenn man die Lohnstückkosten als Maßstab nimmt. Und die Osterweiterung der Europäischen Union hatte in erster Linie positive Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt - auch wenn es speziell in Bereichen mit geringen Qualifikationsanforderungen zahlreiche Verlierer gibt. Diese negativen Effekte lagen aber nicht an der "Ostöffnung selbst, sondern in der asymmetrischen Verteilung der Gewinne". Auch wenn es zuletzt wieder Schlagzeilen gab, wonach etwa die Slowakei mittels Prämien versucht, Arbeitslose in westliche EU-Staaten zu "exportieren", sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Die viel beschworene "Zuwanderungsflut" fiel bisher aus. Der einzige Effekt der Zuwanderungsbeschränkungen für osteuropäische Arbeitnehmer (noch bis 2011), dürfte es sein, sie vom offiziellen Arbeitsmarkt auszuschließen - und sie somit in illegale Beschäftigungsverhältnisse zu drängen.

Fazit: "Mythen der Ökonomie" ist ein Best-of-Album, das vielleicht nicht die diskursive Nummer 1 an den Stammtischen wird, aber mit Sicherheit am Tresen der Cocktailbar.

 

„Mythen der Ökonomie. Anleitung zur geistigen Selbstverteidigung in Wirtschaftsfragen“
Herausgegeben vom Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM)
VSA Verlag, 166 Seiten, 14 Euro, ISBN 3-89965-119-7


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