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Alternative und
Grüne GewerkschafterInnen / UG Salzburg
C/O Robert
Müllner, , Tel: 0676 / 911 10 09
Samstrasse 30
A-5023 Salzburg
Mail:
robert.muellner@auge-ug.at
www.auge-ug.at
An die 6.
Vollversammlung am 20.05.2011
der Kammer für
Arbeiter und Angestellte Salzburg
Überwachungsstaat:
"Hineinfilmen bis in die Wohnungen – ist es bereits Realität?“
Eins fügt sich ins
andere: Ausufernde Videoüberwachung, Kontrolle und Speicherung aller
elektronischen Datenströme, Observierung durch Drohnen aus der Luft - am
Ende steht ein ausufernder Überwachungsstaat und der Generalverdacht
gegenüber der gesamten Gesellschaft. Was gestern noch Sience Fiction
war, droht zunehmend Realität zu werden.
Wir sollten uns zunehmend sicherer fühlen, denn je mehr gegen die
Unsicherheit gehandelt wird, umso sicherer fällt unsere Freiheit der
Überwachung anheim. Laut Datenschutzbericht 2009 werden zunehmend die
verschiedensten Daten und Handlungen von und über uns Menschen,
registriert, gesammelt, gespeichert und diese auch
vorratsdatengespeichert. Dazu gaben weder Sie noch ich die Erlaubnis
noch das Einverständnis und doch wird im Datenschutzbericht 2010
festgestellt, dass diese Daten zunehmend im rechtlichen Graubereich
verschoben, gehandelt und verwendet werden.
Ein praktisches Beispiel: Mit der „Zentralen Informationssammlung der
Versicherungswirtschaft“ wird sichergestellt, dass Sie/ wir, wenn
unser/Ihr individuelles Versicherungsrisiko als zu hoch für eine
Versicherung eingestuft wird, von allen Versicherungen gleichermaßen
abgelehnt werden.
Dasselbe gilt auch für spezialisierte Informationsanbieter in Sachen
Bonität von Firmen und Privaten, die somit durch das Sammeln und
Abgleichen von Daten, Bankkunden die Möglichkeit nimmt, bei
Finanzkorrekturen einen versuchten Wechsel zu anderen Geldinstituten
vorzunehmen. Dass es dabei oft zu Fehlinformationen seitens der
Auskunftskanzleien über die Kreditwürdigkeit des Einzelnen kommt, liegt
an den häufig falschen oder veralteten Daten. Dies alles zum Nachteil
des Konsumenten, der davon nichts ahnt. Diese riesigen Datenansammlungen
und Verwertungen sind durch keinerlei rechtliche Grundlagen gedeckt.
Datenschutz - Wie bitte?
Musste früher jede Videoüberwachung von der Datenschutzkommission
genehmigt werden, so gilt jetzt eine banale Meldepflicht als
ausreichender Schutz vor dem überbordenden und mittlerweile
unkontrollierten Überwachungswahn. 2006 wurden 12 Überwachungsanlagen
neu registriert, 2007 bereits 60, 2008 waren es 279 Anlagen und 2009
konnte ein Anstieg auf 803! verzeichnet werden, d.h. innerhalb von drei
Jahren hat sich die Zahl der neu registrierten
Videoanlageninstallationen um 67-fache! gesteigert.
Dabei handelt es sich meistens nicht um Einzelgeräte, sondern um eine
vielfache Anzahl von einzelnen Kameras je Anlage. Österreichweit wird
davon ausgegangen, dass seit 2010 ca. eine Million Videokameras zur
Überwachung installiert und betrieben werden, viele davon illegal, weder
genehmigt noch registriert.
Die gesamte Gesellschaft unter Kontrolle - zur
„Sicherheit“
Dass mit der Videoüberwachung nicht nur bei uns, sondern in vielen
Ländern sehr ungeniert umgegangen wird, nutzt die EU intensiv für die
Dienste der Sicherheit. Um dem rechtlichen Graubereich von illegalen
Überwachungsmethoden zu entkommen, wird diese Disziplin zur Wissenschaft
emporgehoben und in ein hochdotiertes
EU-Forschungsprojekt übergeführt. Mit dem EU-Finanzierten
Forschungsprojekt „INDECT“ sollen in Zukunft medienübergreifende Daten
erfasst und abgeglichen werden. Dabei sollte „intelligente“ Software
diese Daten auf „untypisches bzw. auffälliges Verhalten“ analysieren, um
so genannte Verhaltensabnormitäten zu erkennen, sowie „Personen zu
detektieren“ und zu „verfolgen“.
Das heißt, „INDECT“ wird rund um die Uhr ALLE Webseiten, Newsgruppen,
Fileserver , diverse Netzwerke und private Computer, aber auch die am
Netz hängenden Videokameras durchschnüffeln. Welche Inhalte oder Bilder
abgefragt werden bleibt Ihrer Fantasie vorbehalten.
Tatsache ist, dass damit Personen automatisch erkannt und mit
Polizeicomputern abgeglichen werden können. Derzeit ist das alles noch
nicht zur Vollreife entwickelt, aber in den Forschungseinrichtungen
Fachhochschule Technikum Wien und der Multimedia-Experte X.Art in
Pinkafeld wird an der Perfektion dieses Überwachungssystems gearbeitet.
Und das im EU-Verbund von 17 Universitäten und Privateinrichtungen,
sowie Polizeibehörden, denen mittels EU-Forschungsförderung von 11 Mill.
Euro genug Geld für Entwicklung dieser Überwachungstechnologie zur
Verfügung gestellt wird. Den Probegalopp zur totalen Überwachung wird es
bei der Fußball EM in Polen und Ukraine 2012 geben, denn dort soll „INDECT“
erstmals erprobt werden. In weiterer Folge können Menschenansammlungen
jeder Art als Rechtfertigung und Vorwand für Überwachung und Repression
dienen.
Dem wachsenden sozialen Protest gegen die neoliberale Politik, will man
von oben mit der Ausweitung von Überwachung und Kontrolle begegnen. Die
ganze Gesellschaft kommt unter Generalverdacht. Selbst der ansonsten
unverdächtige Datenschutzratvorsitzende Nationalratsabgeordneter Johann
Maier ist nicht unverdächtig genug, um bei Parlamentarischer Anfrage
Auskunft über eine Österreichische Teilnahme am „INDECT“ Projekt zu
bekommen.
Drohnen - Krieg nach außen, Überwachung nach
innen:
Auch Deutschland steckt im Strudel des ausufernden Überwachungsstaates;
gleichzeitig soll die öffentliche Sensibilität gegenüber solcher
Überwachung verhindert werden. Die Untersuchung der öffentlichen Wirkung
von Videoüberwachung lässt sich das Forschungsministerium ebenfalls
einiges kosten. So erhält das an der Universität Würzburg angesiedelte
Verbundprojekt "Mustererkennung und Video-Tracking" 1,2 Millionen Euro.
Ein wichtiges Ziel sei es, herauszufinden, "wie die öffentliche Debatte
über Vorzüge und Gefahren der Videoüberwachung die Einstellung der
Menschen beeinflusst", so die Würzburger Forscher. Dabei gehe es „um die
Faktoren, die für die Akzeptanz des neuen Systems entscheidend sind“.
Innenausschussmitglied Korte erklärt: „Ob die in der Antwort der
Bundesregierung genannten Forschungsprojekte wirklich alle Projekte, die
mit Videoerkennung zusammenhängen, umfassen, ist mehr als zweifelhaft.
Ich befürchte, dass das Ausmaß noch viel größer ist.“
Zum Beispiel würden keine Projekte zur „Erprobung von Videoüberwachung
mit Drohnen“ genannt, so Korte.
Diese Drohnen, also
unbemannte Flugobjekte („Unmanned Aerial Vehiclem, UAV), stellen
aber nicht nur den nächsten Schritt der Generalverdächtigung und
Überwachung der ganzen Gesellschaft im Inneren dar, sondern auch zur
Kriegsführung nach außen. Insbesondere die USA setzten Drohnen bei den
Kriegen im Irak und Afghanistan zur Spionage, Überwachung und gezielten
Tötung von „Gegnern“ ein. Das lässt die EU-Mächtigen aufhorchen. Der
deutsch-französische Rüstungskonzern EADS fordert, eine „eigenständige
Drohnentechnologie“ in Europa aufzubauen, „um nicht von Herstellern in
den USA oder Israel abhängig zu sein“.
Gestern Sience Fiction, heute ...
Deutsche Militärkreise diskutieren die Entwicklung der
Drohnentechnologie geradezu euphorisch. Besonders gelobt wird die
"modulare Konstruktion" von UAVs:
Sie ermögliche nicht nur flächendeckende Spionage, sondern ebenso den
"reaktionsschnellen Waffeneinsatz" und "Informationsoperationen gegen
Ziele im Führungsnetzwerk des Gegners". Vor dem "Hintergrund aktueller
und zukünftiger Einsätze der Bundeswehr" gewinne der Einsatz von UAVs
"erheblich an Bedeutung", heißt es. UAVs seien für "vernetzte
Operationen aller Intensitäten in allen Dimensionen" verwendbar und
damit exakt auf das "wahrscheinliche Szenario in lang andauernden
Stabilisierungseinsätzen" zugeschnitten, erklärt etwa die
Militär-Zeitschrift "Europäische Sicherheit". Explizit Bezug nehmen die
Autoren in diesem Zusammenhang auf das Konzept des "Three Block War".
Dieses bezieht sich auf die Eskalation einer als "humanitäre
Hilfsmission" deklarierten Militärintervention zum offenen Krieg -
innerhalb kürzester Zeit.
Die deutsche Bundeswehr wird spätestens 2013 ihre erste „Kampfdrohne“
erhalten; sie firmiert unter der Bezeichnung „Harop“ und ist Teil des
von den Rüstungskonzernen Rheinmetall und Israel Aerospace Industries (IAI)
entwickelten Waffensystems WABEP („Wirkmittel zur abstandsfähigen
Bekämpfung von Einzel –und Punktzielen”).
Und die Profiteure?
Auch kleinere mittelständische Firmen haben mittlerweile die Produktion
von UAVs als profitables Geschäftsfeld entdeckt. So vertreiben etwa die
im Bundesland Nordrhein-Westfalen beheimateten Unternehmen AirRobot
(Arnsberg) und Microdrones (Siegen) mit zunehmendem Erfolg so genannte
Mini-Drohnen. Diese seien hervorragend für "Überwachungs- und
Inspektionsaufgaben" aller Art geeignet und damit nicht nur interessant
für Feuerwehren und Rettungsdienste, sondern ebenso für "Grenzschutz,
Polizei, Sondereinheiten, Armee", erklärt Microdrones. AirRobot wiederum
preist seine UAVs als "universelles Werkzeug zur Bewältigung der
aktuellen Anforderungen an ein modernes Krisenmanagement" und empfiehlt
deren Anschaffung durch Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW)
und den "militärischen Bereich".
Auch Österreich spielt eine Rolle bei der Entwicklung von
Drohnentechnlogie, konkret die Firma Schiebel Industries. Von deren
Kampfdrohne Camcopter war das US-Militär so angetan, dass es diese schon
im Irak-Krieg eingesetzt hat. Mit dem Österreichischen Bundesheer konnte
Schiebel Industries „leider noch keinerlei Kaufabschluss“ tätigen.
Allerdings unterstützt das Bundesheer Schiebl „mit der Ermöglichung von
Testflügen in geeignetem Geländer, u. a. auch am TÜPL Allentsteig.“.
Drohnen sollen aber bald nicht nur auf den Kriegsschauplätzen in
entfernten Regionen, sondern auch hierzulande zum Einsatz kommen, um die
Gesellschaft zu kontrollieren. Zur Überwachung und Einschüchterung der
Proteste gegen den Castor-Transport von Atommüll setzten die deutschen
Behörden zum ersten Mal Mini-Drohnen ein, die sogar „in Wohnungen
hineinfilmen können.“ (NDR, 27.03.2010).
Das Ende der Unschuld - jeder Mensch ist verdächtig!
Umfassende Datenverknüpfung. Der flächendeckenden Überwachung von
Ballungsräumen mit Hilfe von Drohnen dient das EU-Projekt „INDECT“, in
das auch österreichische Unternehmen bzw. Universitätseinrichtungen
eingebunden sind. Dutzende Drohnen sollen mittels hochauflösender
Videotechnik Flächen abscannen und „untypische bzw.
verhaltensauffällige“ Bewegungsmuster sofort an die Polizei zu
gefälligen Analyse weiterleiten. Somit greift eins ins andere. Die
Verknüpfung der Überwachung aus drohnengestützter Luftüberwachung, aus
videogestützter Personenüberwachung am Boden und der Überwachung der
elektronischen Datenströme ergeben ein Eskalationspotential, das
jeglicher demokratischen Kontrolle entzogen ist und einer autoritären
Entwicklung Vorschub leistet, wo jeder und jede unter Generalverdacht
steht. Wer dabei nichts Schlimmes vermutet, möge sich die Entwicklungen
rund um die Prozesse gegen Tierrechts AktivistInnen anschauen, wo mit
Hilfe eines entfesselten Polizei- und Justizapparates politisch
engagierte Menschen fertig gemacht werden sollen, die den
Gewinninteressen einiger Geschäftsherren im Weg stehen.
Nicht nur in der
großen weiten Welt – sondern auch bei uns in Salzburg!
Beinahe jedes
öffentliche Gebäude in der Stadt Salzburg wird mittlerweile
videoüberwacht. An die Kennzeichnungspflicht halten sich aber die
wenigsten.
Ein Spaziergang durch
die Stadt Salzburg zeigt: Big brother is everywhere. Vor dem Salzburg
Museum am Mozartplatz überwacht eine Kamera Gehsteig und Straße, der
Chiemseehof ist mit Kameras bestückt, ebenso das Schloss Mirabell, die
Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität oder das Amt der
Salzburger Landesregierung in der Michael-Pacherstraße.
„Wir werden immer und
überall auf Schritt und Tritt überwacht und bemerken es nicht einmal.
Die Dichte an Überwachungskameras in der Stadt ist mittlerweile absurd",
wundert sich z.B. Gemeinderat Bernhard Carl über den Wildwuchs. Wie
viele dieser Kameras tatsächlich für die Aufrechterhaltung der
Sicherheit (von wem oder was?) gebraucht werden, ist fraglich.
Dazu kommt, dass die
wenigsten dieser Überwachungskameras auch gekennzeichnet sind, wie es
vorgeschrieben ist.
So sollte es durch die Kennzeichnung möglich sein, „dass jeder
potentiell Betroffene, der sich einem überwachten Objekt oder einer
überwachten Person nähert, tunlichst die Möglichkeit hat, der
Videoüberwachung auszuweichen", wie es im Gesetz heißt
(Datenschutzgesetz § 50d).
Dies gilt übrigens auch im privaten Bereich, also etwa für Garten und
Eingangstüren von Ein- und Mehrfamilienhäusern.
„Weder beim Salzburg
Museum, noch bei der NAWI, noch beim Amtsgebäude in der
Michael-Pacherstraße findet sich der geringste Hinweis auf die
Überwachung. Dass bei öffentlichen Gebäuden offenbar kein Sensorium für
den Datenschutz vorhanden ist, befremdet mich wirklich", so Carl.
„Gerade die öffentlichen Stellen müssen ihrer Pflicht nachkommen und die
Kameras so zu kennzeichnen, dass der Auftraggeber klar ist und sie von
weitem erkennbar sind, so dass man den Kameras ausweichen kann."
Die AUGE/UG stellt daher den
A N T R A G
Die 6.
Vollversammlung der AK- Salzburg fordert die BAK auf, unverzüglich eine
Veranstaltung zu organisieren um sich mit dieser Thematik auseinander zu
setzen. Ziel sollte es sein, gemeinsam mit den Gewerkschaften und NGO’s
Strategien zu entwickeln, hier gegen zu steuern.
Des weiteren soll
bei der Bundesregierung nachgefragt werden wie sie es verantworten kann
für solches Denunziantentum Geld auszugeben, und gleichzeitig das
Sozialbudget einschneidend zu kürzen.
Für die AUGE/UG
Müllner Robert |