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Alternative und Grüne GewerkschafterInnen / UG Salzburg
C/O
Robert Müllner, , Tel: 0676 / 911 10 09
Samstrasse 30 A-5023 Salzburg
Mail: robert.muellner@auge-ug.at
www.auge-ug.at
An die 3.
Vollversammlung am 28.10.2009
der Kammer für
Arbeiter und Angestellte Salzburg
Für ein sozial-ökologisches Konjunkturpaket III
Die bislang von
der Bundesregierung geschnürten Konjunkturpakete werden den wirtschafts-
und gesellschaftspolitischen Herausforderungen nicht gerecht.
Insbesondere wurden sie zu einem Zeitpunkt beschlossen, als noch
Einbrüche von 1 bis 2 % des BIP prognostiziert wurden. Die Maßnahmen des
verabschiedeten Arbeitsmarktpakets II nehmen zu diesen strukturellen
Problemen keinen Bezug, sondern versuchen diese zu verdecken. Die
aktuelle Krise zeigt die strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt deutlich
auf.
Im Konjunkturpaket III müssen die
Schwerpunkte Sozialpolitik, Gesundheit, Pflege und Bildung sein. So
würden höhere soziale Transferleistungen – von einer höheren
Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld über eine bedarfsorientierte
Mindest- bzw. Grundsicherung bis hin zu einer Ausweitung und Erhöhung
der Negativsteuer – die automatischen Stabilisatoren hinsichtlich des
Erhaltes der gesamtgesellschaftlichen Nachfrage besser wirken lassen und
damit einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise
leisten.
Zudem braucht es
dringend Investitionen in die soziale Infrastruktur, mehr Geld für
Bildung, Pflege, Gesundheit. soziale Einrichtungen und Kinderbetreuung.
Um entsprechende Investitionen, die oft im kommunalen Bereich
angesiedelt sind, zu ermöglichen, braucht es eine Befreiung der Kommunen
vom restriktiv wirkenden innerösterreichischen Stabilitätspakt. Über
Investitionen in den beschäftigungsintensiven und bisher eher
vernachlässigten Sozialsektor soll vor allem die Kaufkraft und
Beschäftigung von Frauen gestärkt und qualitativ verbessert werden, und
der Betreuungsnotstand beseitigt werden.
Für die
Hauptbetroffenen-Gruppen der Krise am Arbeitsmarkt müssen Maßnahmen
ergriffen werden. Diese Maßnahmen müssen auch darauf abzielen, diese
Benachteiligungen abzubauen. Dazu bedarf es weiterführender Initiativen,
um die Ausgangslage der Hauptbetroffenen-Gruppen zu verbessern. Zentrale
Inhalte dieser Initiative wären Weiterbildungen, (Um)Schulungen,
langfristige Programme zum Nachholen von Bildungsabschlüssen,
qualifizierte Beratung und spezifische Maßnahmen zur Erhöhung des
Selbsthilfepotentials.
Für den Bereich
der Jugendbeschäftigung müssen die Rahmenbedingungen dahin gehend
geändert werden, dass Jugendlichen und junge Erwachsenen ein stabiler
Eintritt in den 1. Arbeitsmarkt ermöglicht wird und sie nicht in
prekärer Beschäftigung (von Zeit- und Leiharbeit über Praktika und freie
Dienstverträge) verharren müssen.
Weiters gilt es
endlich sicherzustellen, dass das Armutsgefährdungsrisiko von
BezieherInnen von Arbeitslosengeld bzw. von Notstandshilfe deutlich
reduziert wird.
Im Bereich der
öffentlichen Investitionen sind zusätzlich Maßnahmen gefordert die eine
mehrfache gesamtgesellschaftliche Dividende versprechen. Investitionen
in den Klimaschutz sind nicht nur beschäftigungsintensiv und
wachstumsfördernd sondern bringen eine deutliche finanzielle Entlastung
der Haushalte sowie sinkende CO²-Emissionen. Zudem braucht es Schritte
in Richtung Ausstieg aus Öl und Gas. Die Förderung erneuerbarer Energien
macht dabei ebenso doppelt Sinn. Sie macht Energie billiger und ist ein
Investitions- und Konjunkturmotor.
Die
AUGE/UG stellt daher den
A N T R A G
Die 3. Vollversammlung der AK- Salzburg fordert die
Bundesregierung auf, ein Konjunkturpaket III, mit den
Investitionsschwerpunkten Klima- und Umweltschutz, Sozialpolitik und
Bildung zu schaffen.
Dieses beinhalten insbesondere:
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Weitere
steuerliche Entlastung von ArbeitnehmerInnen – erste Schritte zu einer
Einführung vermögensbezogener Steuern jetzt einleiten!
Die Negativsteuer ist im Rahmen einer automatisierten
ArbeitnehmerInnenveranlagung auf 450 Euro/Jahr zu erhöhen, um die
Kaufkraft einkommensschwächerer ArbeitnehmerInnenschichten deutlich zu
erhöhen.
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Im
Gegensatz dazu ist – als rasch umsetzbare partielle
Gegenfinanzierungsmaßnahme - der Steuersatz für Einkommen ab € 140.000
auf 55 %, für Einkommen ab € 500.000 auf 60 % zu erhöhen. Jene
SpitzenverdienerInnen, die Profiteure der wirtschaftlichen Entwicklung
der letzten Jahre waren, sollen ihren Beitrag zum Steueraufkommen
leisten. Höhere Progressionsstufen für SpitzeneinkommensbezieherInnen
machen auch darum Sinn und entsprechen der Steuergerechtigkeit, da sie
von den im Zuge der Steuertarifreform beschlossenen niedrigeren
Progressionsstufen im unteren und mittleren Einkommenssegment
besonders profitieren und die Sparquote bei hohen Einkommen besonders
hoch ist.
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Als
Sofortmassnahmen im Bereich der Steuerpolitik gilt es weiters, eine
neue Börsenumsatzsteuer auf sämtliche an der Börse getätigten Umsätze
ehestmöglich und jedenfalls bis zur Einführung einer EU-weiten
Finanztransaktionssteuer wieder einzuführen.
Stärkung der automatischen Stabilisatoren
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Eine
bedarfsorientierte Grundsicherung ist zur Stärkung der Kaufkraft von
BezieherInnen sozialer Transfers umgehend umzusetzen. Die
Nettoersatzrate in der Arbeitslosenversicherung auf 80 % des
vorherigen Nettoeinkommens zu erhöhen. Diese Maßnahme ist dringend
geboten – nicht nur, um Armut im Falle von Arbeitslosigkeit zu
verhindern, sondern – da steigende Arbeitslosigkeit zu befürchten ist
– auch, um die Konjunktur nachfrageseitig zu stabilisieren.
Investitionsmaßnahmen in den Klimaschutz
-
Gebäudesanierungsoffensive: Die Wärmedämmung von Gebäuden hat gemessen
am Investitionseinsatz die höchsten indirekten Beschäftigungseffekte
und bringt den Haushalten eine deutliche finanzielle Entlastung im
Bereich der Energiekosten. Die Sanierungsrate des Althausbestandes ist
schnellstmöglich von 1,5 auf 3 % zu erhöhen.
-
Energieeffizienz- und Wärmedämmungsmaßnahmen an öffentlichen Gebäuden
sind zu forcieren. Die vorgesehenen budgetären Mittel zur thermischen
Sanierung sind entsprechend deutlich zu erhöhen.
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Investitionen in öffentlichen Personen-Nahverkehr: Investitionen in
den öffentlichen Nahverkehr sind – laut WIFO – beschäftigungswirksamer
als jene in Großprojekte und bringen PendlerInnen eine unmittelbare
Entlastung.
Gemeinden vom österreichischen Stabilitätspakt befreien:
-
Den
Gemeinden ist wieder ein breiterer Handlungsspielraum für
Investitionen einzuräumen. Gemeinden und Gemeindeverbände sind die
wichtigsten Träger der öffentlichen Investitionen, die in den letzten
Jahren stark zurückgegangen sind – nicht zuletzt als Folge des
innerösterreichischen Stabilitätspakts. Eine Befreiung von diesem
schafft den notwendigen Handlungsspielraum und löst einen
Investitionsschub aus. Der Bund muss den Kommunen zusätzlich den
erleichterten Zugang zu günstigeren Finanzierungsmöglichkeiten z.B.
über Anleihen, Zinszuschüsse ermöglichen.
Investitionen in Bildung, Pflege, Soziale Einrichtungen,
Gesundheit und Kinderbetreuung
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Sanierungsprojekte von desolaten, gegen die
ArbeitnehmerInnenschutzbestimmungen verstoßenden Universitätsgebäuden
sind dringendst anzugehen. Die Budgetmittel für Universitäten sind in
diesem Sinne – entsprechen den Beschlüssen des Nationalrats – sicher
zu stellen.
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Der
Ausbau – sowohl infrastrukturell als auch personell - von ganztägigen,
flächendeckenden Kinderbetreuungsplätzen – von Kinderkrippen bis zu
Ganztagsschulen - für Kinder im Alter von 0-3 bzw. 6-12 Jahren ist zu
forcieren, dabei sind fertig geplante Projekte vorzuziehen. Die
qualitativ hochwertige Ausbildung von KinderbetreuerInnen und
KindergärtnerInnen ist zu intensivieren.
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Schulsanierungsprojekte sind vorzuziehen, da sie unmittelbar
beschäftigungswirksame sind. Außerdem ist der aus integrations- und
sozialpolitischen Gründen längst überfällige Ausbau der
Schulsozialarbeit, der schulpsychologischen Dienste, sowie des
IntegrationslehrerInnenbereichs voranzutreiben
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Die
Ausbildung von qualifiziertem Gesundheits- und Pflegepersonal muss
vorangetrieben werden. Über einem aus Steuermitteln finanzierten
Pflegefonds sind arbeits- und sozialrechtlich abgesicherte, sowie
ordentlich bezahlte Beschäftigungsverhältnisse für PflegerInnen in
sozialen Trägervereinen und öffentlichen Pflegeeinrichtungen
auszubauen.
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Behebung
des Personalnotstandes in sozialen, öffentlichen Einrichtungen wie
z.B. Jugendwohlfahrt, Sozialämter, sowie in Einrichtungen der
Daseinsvorsorge etc.
Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise stehen soziale Einrichtungen,
die ohnehin bereits unter einem akuten Personalnotstand leiden vor
besonderen und wachsenden Herausforderungen. Ohne massive
Personalaufstockung wird diesen Herausforderungen nicht zu begegnen
sein.
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Die
finanziellen Rahmenbedingungen für Non-Profit-Organisationen im
Bereich qualitativ hochwertiger sozialer Dienstleistungserstellung
sind deutlich zu verbessern.
Förderverträge sollen eine längerfristige Planung – insbesondere auch
hinsichtlich der Personalentwicklung – sicherstellen.
Breitbandoffensive
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Die
Förderung von Breitbandinternet-Infrastruktur schafft langfristig vor
allem auch im ländlichen Raum verstärkte Teilhabe von Menschen am
gesellschaftlichen Leben und schafft kurzfristig durch den Ausbau der
Infrastruktur beschäftigungswirksame Effekte.
Maßnahmen im Bereich der Arbeitsmarktpolitik
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Längere
und qualitätsvolle Programme, die das Nachholen von
Bildungsabschlüssen und eine berufliche Umorientierung ermöglichen
sind zu forcieren.
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Über eine
„Aktion 10.000“ sind AMS-geförderte, sozialversicherte Jobs bei NGO
bzw. NPO in den Bereichen Kultur, Umwelt, Soziales zu schaffen.
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Streichung des PartnerInnen-Einkommens in der Notstandshilfe.
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Koppelung
der Kurzarbeit an Weiterbildungsangebote.
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Ausbau
des 2. Arbeitsmarkt, insbesondere im Bereich der sozialökonomischen
Betrieb und der Beschäftigungsprojekte.
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Vermittlung in Leih- oder Zeitarbeit durch das AMS nur auf
freiwilliger Basis.
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Neuregelung der Leih- und Zeitarbeit in Richtung der Einführung
einschränkender Bedingungen.
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Einsetzen
einer interministeriellen Arbeitsgruppe unter Einbeziehung der
Sozialpartner und Betroffenen-Organisationen für eine nachhaltige
Reform der Ausbildung und Jugendbeschäftigung.
Insbesondere bei den Schnittstellen zwischen schulischer und
universitärer Ausbildung, der Lehrausbildung und Eintritt in den
1. Arbeitsmarkt.
Für die AUGE/UG
Robert Müllner |